Interview: Peter Svetits

30. November 2005, 19:18
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Der ehemalige Sportdirektor der Veilchen war laut Trainer Christoph Daum der Urheber des Erfolges in der Double-Saison der Austria

Standard: Wie war das Arbeiten bei der Wiener Austria?
Peter Svetits: Es wurde immer sehr viel von außen in den Verein getragen. Als ich kam, war die Mannschaft an sechster oder siebenter Stelle. Meine Vorgabe von Frank Stronach war, kurzfristig Meister zu werden. Wir haben den Titel geholt, aber das wurde als normal angesehen. Dabei ist die nationale Meisterschaft doch das allerhöchste Gut.

STANDARD: Wie kam es, dass Sie nach dem Double-Gewinn den Klub verlassen haben?
Svetits: Ich habe in Absprache mit Trainer Christoph Daum Rabiu Afolabi und Joey Didulica verpflichtet und Vorverträge mit Stars wie Pierre van Hooijdonk und Gustavo Lopez abgeschlossen. Dann hat Stronach sein Wort gegeben, dass Daum gehen kann, wenn er ein besseres Angebot hat. Ich habe noch Ivica Vastic verpflichtet und sah dann meine Mission erfüllt. Van Hooijdonk ist abgesprungen, ist mit Daum nach Istanbul gegangen. Daum hätte drei Jahre bei der Austria bleiben müssen, da wäre sehr viel entstanden.

STANDARD: Während Ihrer Zeit hatte die Austria drei Trainer.
Svetits: Ja, und sie waren alle zu ihrer Zeit die Besten. Didi Constantini war der beste Trainer im Frühjahr 2002, Walter Schachner war für sieben Runden der neuen Saison der Beste und Daum für den Rest der Meisterschaft. Wer war jetzt der beste Trainer von den dreien? Die Mannschaft, die den Titel geholt hat, habe ich zusammengestellt.

STANDARD: Warum musste Schachner Daum weichen?
Svetits: Man war mit Schachner unzufrieden, weil viele in der Mannschaft mit Schachner unzufrieden waren. Es gab interne Probleme, vor allem mit den älteren Spielern, die immer im Stillen geregelt werden mussten. Ein kleiner Kreis, ich will nicht sagen wer, war sich einig, dass Schachner noch nicht reif genug für die Austria ist, dass er wieder weg muss. Ich habe eben erfahren, dass Daum frei ist.

STANDARD: Was sagen Sie zu Stronachs Ausstieg?
Svetits: Mir fehlt das Wort für diese Wiener da draußen, die dafür verantwortlich sind. Ich müsste eines erfinden. Einen Mann, der pro Saison 25 bis 30 Millionen Euro hergibt, ohne den Verein besitzen zu wollen, dazu zu bringen, dass er hinschmeißt, ist weltweit einzigartig. Da haben sich auch die Fans verblenden lassen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 1. Dezember 2005, Sigi Lützow)

ZUR PERSON:

Peter Svetits (47), ehemaliger GAK-Manager und -Präsident, war von Jänner 2002 bis Juni 2003 Sportdirektor der Austria. Er bezeichnet sich als selbstständigen Finanzdienstleister.

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    Ex-Austria-Sportdirektor Peter Svetits (li) mit Ex-Coach Christoph Daum.

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