632 Moslembrüder in Haft

30. November 2005, 17:48
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Gewaltätige Demonstrationen Auslöser für Massenverhaftungen

Kairo - Im Zuge der Parlamentswahlen in Ägypten haben die Sicherheitsbehörden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen in den vergangenen Wochen insgesamt rund 800 Mitglieder der offiziell verbotenen Moslembruderschaft festgenommen. Zu den Festnahmen war es gekommen, nachdem Mitte November bei gewaltsamen Auseinandersetzungen im Wahlkampf ein Mensch getötet und Dutzende verletzt worden waren.

Nachdem einige Mitglieder der zwar verbotenen, aber geduldeten Organisation wieder freigelassen worden seien, befänden sich derzeit noch etwa 630 Moslembrüder in Gewahrsam, teilte die Menschenrechtsorganisation "Sawasya" ("Gleichheit") am Mittwoch in Kairo mit. Vor der letzten Phase der Parlamentswahl, die an diesem Donnerstag beginnt, ordnete die Staatsanwaltschaft die Festnahme von weiteren 344 Anhängern der islamistischen Moslembruderschaft an.

Moslem-Bruderschaft zweite Kraft hinter Mubarak-Partei

Kandidaten der Moslem-Bruderschaft haben in den ersten beiden Phasen der Wahl bereits 76 der 444 Parlamentssitze gewonnen. Die Moslembrüder erweisen sich zunehmend als stärkste Kraft hinter der herrschenden National-Demokratischen Partei (NDP) von Staatspräsident Husni Mubarak.

Bei der in Etappen stattfindenden Wahl ist es wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Wahlbeobachter berichteten von teils mit Messern ausgetragenen Zusammenstößen zwischen Anhängern der Moslembruderschaft und der NDP vor Wahllokalen.

Mittlerweile hat die Moslembruderschaft (arab.: "Jamiat al-Ikhwan al-Muslimun") starken Einfluss in der ägyptischen Gesellschaft gewonnen. Kritische Intellektuelle, die einen gemäßigten Islam vertreten, werden unter Druck gesetzt, mundtot gemacht oder müssen fürchten, ermordet zu werden.

Gegründet wurde die Moslembruderschaft 1928 vom Volksschullehrer Hassan al-Banna (1906 bis 1949). Sie wurde zur ersten islamistischen Bewegung mit Masseneinfluss, sie verübte auch Terrorakte. 1954 wurde die Organisation verboten, zahlreiche ihrer Führer zum Tode verurteilt, danach aber wieder verübergehend legalisiert. Nach der Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat 1981 ging dessen Nachfolger Hosni Mubarak mit aller Härte gegen die Moslembrüder und andere islamistische Gruppen vor. (APA/dpa)

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