Frau erhielt Gesichtstransplantat

1. Dezember 2005, 07:03
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Französin Empfängerin von Mund und Nase eines verstorbenen Spenders - Wiener Experte "eher skeptisch"

Paris/Wien - Bei der weltweit ersten großflächigen Gesichtstransplantation hat eine Französin Mund und Nase eines verstorbenen Spenders verpflanzt bekommen. Die psychisch wie medizinisch hoch riskante Operation sei am Montag in Amiens durchgeführt worden, berichtet das Pariser Nachrichtenmagazin "Le Point". "Wenn dieser Versuch gelingt, wird die Patientin ihr neues Aussehen akzeptieren müssen", hieß es. Kurz- und langfristig gebe es zudem ein Risiko, dass das fremde Gewebe vom Körper abgestoßen werde. Der Doyen der Plastischen Chirurgie in Österreich, Univ.-Prof. Dr. Hanno Millesi, bezeichnete den Eingriff als "interessant", äußerte sich aber eher skeptisch.

Hundebiss als Ursache

Die Frau aus Valenciennes (Nordfrankreich) war im Mai dieses Jahres von einem Hund angefallen worden. Das Tier biss der 38-Jährigen den Mund und einen Teil der Nase ab. Am Sonntag wurden dem Bericht zufolge in der Universitätsklinik Lille der untere Teil des Gesichts eines hirntoten Spenders - "Haut, Unterhautgewebe, kleine Gesichtsmuskeln und arterielle und venöse Elemente" entnommen. Am Montag sei das Gewebe - ein großes Dreieck - verpflanzt worden.

Die beiden behandelnden Ärzte, Professor Jean-Michel Dubernard (Lyon) und Professor Bernard Devauchelle (Amiens), gaben zu dem Bericht zunächst keine Erklärung ab. Dubernard hatte 1998 bereits die erste Handverpflanzung und im Jahr 2000 die erste Verpflanzung von Unterarmen vorgenommen.

Reaktion aus Wien

Freilich, solche Eingriffe werden sich erst bewähren müssen. Univ.-Prof. Dr. Hanno Millesi, Doyen Plastischen Chirurgie in Österreich und nach vielen Jahren an der Wiener Universitätsklinik (AKH) jetzt an der Wiener Privatklinik tätig: "Irgendwie sind solche Eingriffe in letzter Zeit in der Luft gelegen. Es gibt auch in den USA ein Team, das derartige Operationen experimentell an Mäusen durchführt."

Die erste Transplantation eines Unterarms durch Dubernard ist allerdings fehlgeschlagen. Millesi: "Dubernard prescht eher vor. Die Unterarmtransplantation war schlecht vorbereitet. Man musste später wieder amputieren - Ganz im Gegenteil zu der Transplantation von Händen durch meine ehemalige Oberärztin, Univ.-Prof. Dr. Hildegunde Piza. Den Empfänger (Otto Kelz, Anm.) habe ich erst vor einiger Zeit gesehen. Da ist alles in Ordnung." Bomben-Opfer Kelz hatte sich der Transplantation im Jahr 2000 unterzogen.

"Gewagte Sache"

Millesi bezeichnete Gesichts-Transplantationen insgesamt als "gewagte Sache", die aber für manche Patienten doch interessant sein könnte: "Wir sind eben noch nicht in der Lage, verlorenes Gewebe wirklich zu ersetzen. Wenn jemandem die Nase fehlt, können wir aus Bauch- oder Stirnhaut und Knochenteilen etwas rekonstruieren, das wie eine Nase aussieht. Aber es ist keine Nase. Die Transplantation einer Nase ist aber einfacher als zum Beispiel die Transplantation von Lippen mit den dynamischen Muskeln. Das ist weit komplizierter. Ich bin also eher skeptisch." (APA)

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