Stromregulator glaubt an sinkende Elektrizitätspreise

2. Dezember 2005, 18:50
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Heimische Stromregulierungs­behörde E-Control zieht positive Bilanz über österreichisches Modell

Leipzig/Wien - Die E-Control, die heimische Stromregulierungsbehörde, rechnet mit keinen weiteren Strompreiserhöhungen in absehbarer Zeit. "Kurzfristige Preisentwicklungen lassen sich kaum voraussagen, aber die Öl- und Gaspreise sinken, die CO2-Preise ebenfalls, ich sehe den Preistrend derzeit eher stabil bis rückläufig", sagt Stromregulator Walter Boltz. Boltz, der seit langem den Kostenauftrieb bei der bisherigen Ökostromförderung kritisiert hat, begrüßte eine vergangene Woche erfolgte Dreiparteieneinigung zur Ökostromförderung.

Die Großhandelspreise für Lieferungen in den ersten Monaten 2006 seien rückläufig, erinnerte der österreichische Stromregulator am Rande einer Veranstaltung an der Energiebörse Leipzig EEX, der zweitgrößten derartigen Börse in Europa. In der sächsischen Stadt werden pro Jahr Strommengen im Wert von rund 20 Mrd. Euro gehandelt, inklusive der langfristigen Terminkontrakte liegt das gehandelte Volumen über dem Jahresbedarf Deutschlands.

Aus Kundensicht ausgezahlt

Nach Berechnungen der E-Control hat sich die Entscheidung Österreichs für sein gegenwärtiges Regulierungs-Modell im Strombereich (eigener Regulator, "ex-ante-Regulierung") aus Kundensicht ausgezahlt. "Hätten wir die gleichen Preise wie in Deutschland, würden die heimischen Verbraucher etwa 20 Prozent mehr bezahlen", hat E-Control-Experte Johannes Mayer ausgerechnet. Österreichs Konsumenten hätten im Vergleich zu Deutschland um 1 Mrd. Euro höhere Liberalisierungsgewinne einfahren können, knapp die Hälfte davon durch Netztarifsenkungen.

Trotz Fortschritten gebe es in Österreich unzureichenden Wettbewerb, vor allem bei den Endkunden, erklärte Boltz unter Berufung auf eine EU-Sektoruntersuchung. Während Gewerbeunternehmen eine vergleichsweise hohe Mobilität zeigten, sei die Wechselfreudigkeit von Endkunden in Österreich nach wie vor unterentwickelt. Der Mitte November erschienene EU-Bericht zeige zahlreiche Schwachstellen in der europäischen Strommarktliberalisierung auf - es gebe am Strommarkt aber Teilerfolge. Die Ergebnisse zum Gasmarkt zeigten aber ein breitflächiges Scheitern der bisherigen Liberalisierungsbemühungen, gab Boltz zu.

Ökostromgesetz begrüßt

Das geplante Ökostromgesetz, das die Neuförderungen für "grünen Strom" auf 17 Mio. Euro pro Jahr einfrieren wird, begrüßte Boltz. "Ich hätte mir zusätzliche effizienzsteigernde Maßnahmen vorstellen können. Aber das Wichtige ist, dass ein Deckel eingezogen wird", sagte Boltz. Man könne auch die politische Entscheidung treffen, pro Jahr um 200 Mio. Euro zusätzlich zu fördern, sagte Boltz beispielhaft. Das müsse aber klar politisch entschieden werden und dürfe nicht Resultat einer Fördergesetzgebung sein, die eine Eigendynamik gewonnen habe. Boltz rechnet mit einem Inkrafttreten der neuen Ökostromregelung erst ab nächstem Frühjahr.

Gegen Liberalisierung und Deregulierung machen dagegen die europäischen Gewerkschaften mobil, geht aus einer Aussendung des ÖGB am Mittwoch hervor. Die ÖGB-Teilgewerkschaften GPA, Metall-Textil (GMT) und GdG (Gemeindebedienstete) unterstützen eine Protestkundgebung, die am Donnerstag anlässlich eines Treffens der EU-Energieminister in Brüssel stattfindet. (APA)

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    "Ich sehe den Preistrend derzeit eher stabil bis rückläufig", sagt Stromregulator Walter Boltz.

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