Elterngeld in Deutschland

1. Dezember 2005, 12:45
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Angela Merkel wünscht sich Einkommensersatz mit Väter-Komponente

Berlin - Die deutsche Bundesregierung will das neue Elterngeld nur dann über den gesamten Zeitraum bewilligen, wenn sowohl Väter als auch Mütter eine Auszeit von ihrem Job nehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte in ihrer Regierungserklärung am Mittwoch in Berlin an, den Einkommensersatz mit einer Väter-Komponente ausstatten zu wollen. Sie ahne schon jetzt, welche Diskussionen dies hervorrufen werde. "Doch die Betriebe sollten sich - und das sage ich auch ganz ausdrücklich - stärker als bisher in der Pflicht sehen, auch die Väter zeitweise frei zu stellen", sagte die Kanzlerin. Dies solle wo immer möglich und ohne berufliche Nachteile geschehen.

Maximal 1.800 Euro im Monat

"Dieser sanfte Druck ist unumgänglich", unterstrich Merkel. Das Elterngeld könne einen kleinen Beitrag leisten, dass sich mehr gut ausgebildete Frauen und Männer für Kinder entschieden. Die Koalition will das neue Elterngeld 2007 einführen. Es soll zwölf Monate gezahlt werden und 67 Prozent des letzten Nettogehaltes betragen, maximal aber 1800 Euro im Monat. Schlechter Verdienende erhalten eine Mindestleistung. Nach Willen von SPD und Union wird Geld aber nur dann über den ganzen Zeitraum ausgezahlt, wenn auch der Vater sich mindestens zwei Monate um den Nachwuchs kümmert und zu Hause bleibt.

Deutsche Familienministerin verteidigt Pläne

Die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen verteidigte indes das Elterngeld gegen Kritik des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (beide CDU). Wenn es für Frauen und Männer die gleichen Bedingungen bei der Auszahlung gebe, befürchte sie im Gegensatz zu Rüttgers keine verfassungsmäßigen Probleme, sagte von der Leyen am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Rüttgers hatte in einem Interview mit dem "Rheinischen Merkur" kritisiert, es sei nicht verfassungsgemäß konstruierbar, Väter zwei Monate zur Betreuung zu verpflichten.

"Echte Alternative"

Von der Leyen sagte dazu, wer nicht möchte, brauche die Elternzeit nicht zu nehmen. "Auch heute ist schon Zeit für die Väter reserviert, allerdings ohne Geld", sagte die Familienministerin. Das Elterngeld sichere den Lebensunterhalt junger Väter und Mütter und biete eine echte Alternative. Auch in den Betrieben werde das den Stellenwert der Elternarbeit aufwerten, zeigte sich von der Leyen überzeugt.

Von der Leyen verwies darauf, dass ein Elterngeld inklusive zwei Väter-Monaten in Ländern wie Schweden, Norwegen und Großbritannien einen Anstieg der Geburtenrate gebracht habe. In Schweden nähmen derzeit 40 Prozent der Väter diese Zeit in Anspruch. (Reuters/APA)

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