"Meilenstein im Opferschutz"

30. November 2005, 13:47
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"Curriculum gegen Gewalt an Frauen und Kindern" besteht vier Jahre - Jetzt gibt es ein Handbuch darüber

Wien - Im Jahr 2001 hat die Stadt Wien das interdisziplinäre Fortbildungsprojekt "Curriculum gegen Gewalt an Frauen und Kindern" an Wiener Krankenanstalten gestartet. Ziel war es, das medizinische Personal im Umgang mit Gewaltopfern zu sensibilisieren und opferspezifische Versorgungsstandards zu etablieren. Nach einer vierjährigen Laufzeit an sechs Wiener Schwerpunktspitälern wurde das Projekt nun erfolgreich zum Abschluss gebracht.

Ausbildung an Spitälern

Seither wurden in Spitälern Opferschutzgruppen fix eingerichtet, die Zusammenarbeit zwischen Spitälern und Opferschutzeinrichtungen vertieft und neue Standards bei der Erstversorgung implementiert. Im Rahmen einer Fachtagung präsentierten Vizebürgermeisterin Grete Laska, Gesundheits- und Sozialstadträtin Renate Brauner und Frauenstadträtin Sonja Wehsely am Mittwoch die Ergebnisse dieses Projekts, die jetzt in Form eines Handbuchs vorliegen. "Das Curriculum 'Gewalt gegen Frauen und Kinder' ist ein Meilenstein im Bereich des Opferschutzes im Gesundheitsbereich und in dieser Form europaweit einzigartig. Erstmalig in Österreich wurde an allen Wiener Schwerpunktspitälern ein umfassende und praxisorientierte Fortbildungsreihe für das medizinische Personal umgesetzt", meinten die Politikerinnen.

Anlaufstellen

Einrichtungen des Gesundheitswesens sind häufig die ersten Anlaufstellen für Opfer von Gewalt. Das medizinische sowie das Pflegepersonal haben eine wichtige Schlüsselfunktion bei der Erstversorgung und der Früherkennung von Gewalt. Es sei daher von zentraler Bedeutung, opferspezifische Behandlungsstandards sicherzustellen, die auf die speziellen Bedürfnisse der Betroffenen eingehen und Kriterien des Opferschutzes erfüllen.

Kooperation

Das Projekt zeichnet sich durch eine enge Kooperation verschiedener Einrichtungen aus: Der Wiener Krankenanstaltenverbund, der 24-Stunden Frauennotruf der MA 57, die MAG ELF, die Unfallabteilungen in Donauspital und Wilhelminenspital, die Bundespolizeidirektion Wien sowie die Gerichtsmedizin Wien - sie alle sind unter Koordination des Wiener Frauengesundheitsbüros beteiligt.

Erfahrungen hätten gezeigt, dass Unterstützung, Schutz und bestmögliche Betreuung von Gewaltopfern nur mittels interdisziplinärer Zusammenarbeit und Kooperation verschiedener Institutionen gewährleistet werden kann. "Dieser interdisziplinäre Gedanke wurde im Projekt durchgehend umgesetzt und hat maßgeblich zur Praxistauglichkeit und zum Erfolg des Projektes beigetragen", sagte Karin Spacek, die Leiterin des 24-Stunden Frauennotrufes der MA 57.

Publikation

Die Erfahrungen, die im Rahmen des Projektes gewonnen wurden, sind im Handbuch "Curriculum Gewalt gegen Frauen und Kinder - Opferschutz an Wiener Krankenanstalten" nachzulesen. Es liefert neben einer detaillierten Projektbeschreibung auch Erfahrungswerte und kann insbesondere für EntscheidungsträgerInnen und VertreterInnen von Organisationen bei der Planung sowie Durchführung von ähnlichen Opferschutzprojekten als Anregung dienen.

Kostenlos zu bestellen: Email oder Tel.: 01-4000-83542. (red)

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