SPÖ-Frauen wollen "Kindergeld plus"

30. November 2005, 12:27
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Kürzere Karenz, mehr Geld, vermehrte Kinderbetreuung und verstärkte Zeitautonomie auch für Väter

Wien - "Mit einem gut geschnürten Paket lässt sich die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern in fünf Jahren um drei Prozent schließen", betonte die zweite Präsidentin des Nationalrats und SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer am Dienstag Abend im Rahmen eines Hintergrundgesprächs mit JournalistInnen. Verwirklichen wollen die SPÖ-Frauen dieses "betont realistische" Ziel mit dem Modell "Kindergeld plus", das gemeinsam mit den FSG-Frauen und den Kinderfreunden entwickelt worden ist.

Die Forderungen nach "kürzerer Karenz mit höherem Kindergeld", nach "mehr Zeitautonomie am Arbeitsplatz", nach "Anreizen für Väter in Karenz zu gehen", nach "mehr Geld für Alleinerziehende" und nach "flächendeckende bedarfsorientierte Kinderbetreuung", nannte SPÖ-Frauen und Gleichbehandlungssprecherin Gabriele Heinisch-Hosek als die Eckpunkte des neuen Modells.

Aufteilung der Familienlasten

"Als ersten Schritt wollen wir das bestehende Kindergeld so verändern, dass sich ein früherer Wiedereinstieg auszahlt, dass eine bessere Aufteilung der "Familienlasten" zwischen Vater und Mutter möglich wird, dass es leichter wird, im Job zu bleiben und dass Alleinerziehende mehr Geld bekommen", betonte Heinisch-Hosek den Übergangscharakter dieses Modells. Längerfristig bleibe das Ziel eines einkommensabhängigen Karenzgeldes bestehen. Denn, so Prammer: "Das Karenzgeld ist keine Sozialleistung, sondern soll ein Einkommensersatz sein."

Maßnahmen in Betrieben

Die Ursache der Einkommensschere verortete Prammer "zu zwei Drittel bei den Rahmenbedingungen - Stichwort Familienlasten - und zu einem Drittel bei der Qualifizierung, beruflichen Förderung etc. Absolut notwendig seien daher auch Geschlechtergerechtigkeit fördernde Maßnahmen in Betrieben, so Heinisch-Hosek. Vorbildhaft agiere in dieser Hinsicht Schweden, wo Betriebe mit mehr als zehn MitarbeiterInnen verbindliche Gleichstellungspläne erstellen und die Einkommen offen legen müssen. Für Österreich forderte die SPÖ-Frauensprecherin einen mit 100 Millionen Euro gespeisten "Bundesfrauenförderfonds", der, wie Prammer nachsetzte, dort ansetzen solle, wo AMS-Maßnahmen aufhören.

"Faire und objektive Einkommensstatistiken" stellen für die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende ein weiteres - "wenngleich für viele unangenehmes" - Glied im Kampf gegen Einkommensungleichheit dar. Vom bloßen Anstieg der Beschäftigung von Frauen zu reden, wie dies die Regierung tue, hielt Prammer nichts. Zentral sei vielmehr das Steigen der Gesamtquote, da es natürlich einen Unterschied ausmache, ob die Teilzeit- oder die Vollzeitbeschäftigung steige. (red)

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