Am Millstätter See geht's los - Ab Mai 2006 darf zwischen Spittal und Paternion Tempo 160 ausprobiert werden - mit Grafik
Am Millstätter See geht's los: Ab Mai 2006 darf dort Tempo 160 ausprobiert werden wenn das Wetter passt und die Verkehrsdichte es zulässt. Die Gegner des Gorbach'schen Schnellfahrexperiments protestierten.
***Wien/Klagenfurt – Die erste
"Tempo-160-Teststrecke" in
Österreich wird ab 2. Mai
2006 Realität. Dann darf auf
einem zwölf Kilometer langen
Teilstück der Tauernautobahn
(A10) zwischen Spittal-Ost
und Paternion für zwei bis
drei Monate – und wenn die
Witterungs- und Verkehrsverhältnisse es zulassen – die bis
jetzt geltende Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern um 30 "Sachen" überschritten werden.
Ablehnungsfront
Das gab Vizekanzler und
Verkehrsminister Hubert Gorbach am Mittwoch in Wien bekannt. Weiters kündigte er an,
dass es künftig sofort Führerscheinabnahmen geben soll,
wenn man mit Tempo 180 erwischt werde. Dazu sei aber
noch eine Gesetzesänderung
nötig. Der Tempoversuch ist
umstritten, von Beginn an hagelte es Proteste aus den Bundesländern. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ)
gehört nicht der Ablehnungsfront an.
Tempobolzplatz
Auf Widerspruch trifft das
Experiment in Kärnten dennoch. Ein "klares Nein" kam
von SPÖ-Landeschefin Gaby
Schaunig, Umweltreferent
Reinhart Rohr und SPÖ-Verkehrssprecher Rudolf Schober. Für sie ist die Teststrecke
eine "Zumutung für die Anrainergemeinden, die Umwelt,
die Kärntner Verkehrsteilnehmer und das Tourismusland
Kärnten". Schaunig will in der
Landesregierung initiativ werden: "Wir wollen nicht der
Tempobolzplatz Österreichs
werden." Sie hält Tempo 160
für ein Ablenkungsmanöver.
Unsinnsprojekt
Grünen-Verkehrssprecherin Gabriele Moser spricht von
einem "Unsinnsprojekt", "auch, dass Umweltminister
Pröll beharrlich dazu
schweigt, dass der Ausstoß
von Feinstaub und anderen
Schadstoffen bei 160 um bis
zu einem Drittel höher ist, ist
nicht nachvollziehbar".
Die Teststrecke ist eine nur
zweispurige Autobahn, kritisiert der ÖAMTC, Sicherheitsmängel konstatierte auch der
ARBÖ. Greenpeace forderte
ein Veto vom Umweltminister.
Wiens Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) merkte an:
"Während die Länder vehement gegen den Feinstaub
kämpfen, gibt Gorbach freie
Fahrt für Raser, belastet damit
die Umwelt und gefährdet zudem die Verkehrssicherheit."
Der oberösterreichische SP-
Chef Erich Haider begrüßt
"sehr, dass kein oberösterreichischer Autobahnabschnitt
für diesen gefährlichen
Schnellfahrversuch ausgewählt wurde." Ursprünglich
war der A1-Abschnitt zwischen Haid und Sattledt als
Teststrecke in Rede gestanden. "Völlig undenkbar" hatte
man in Linz beschieden.
Othmar Thann, Direktor des
Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), reagierte etwas
resigniert: Bisher sei man auf
einem guten Weg gewesen, die
Zahl der Verkehrstoten habe
kontinuierlich gedrückt werden können, dieses Experiment weise jedoch in die
Gegenrichtung. (red, DER STANDARD Printausgabe 1.12.2005)