Österreichische Hoffnung auf "Descartes-Preis"

9. Dezember 2005, 10:12
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An dem für "EU-Nobelpreis" nominierten Projekt "Hidemar" ist ein Forscher der TU Wien beteiligt

Wenn die Europäische Kommission am Freitag in London die Laureaten des Descartes-Preises - eine Art Nobelpreis für grenzüberschreitende Forschungsarbeiten - bekannt gibt, könnten auch am Institut für Festkörperphysik an der Technischen Universität (TU) Wien die Sektkorken knallen. Die Forscher um Josef Fidler sind an einem der 14 nominierten Projekte mit dem Titel "Hidemar" maßgeblich beteiligt. Der Descartes-Preis ist mit einer Million Euro dotiert.

Project Hidemar

Im Rahmen des Projekts "Hidemar" (für: Self assembled nanoparticles as nanopatterned array for high-density magnetorecording) befassen sich mehrere europäische Forschergruppen unter der Koordination von Dino Fiorani vom CNR-National Research Council in Rom mit der Entwicklung von neuartigen Speichermedien für Computer auf Nano-Basis.

Selbstorganisation

Bei herkömmlichen magnetischen Speichermedien wird die Magnet-Schicht meist flächig aufgedampft. Im Gegensatz dazu sollen bei Speichern der kommenden Generationen sich selbst organisierende Nano-Kügelchen diese Aufgabe übernehmen und so eine weitere, deutliche Verkleinerung der Medien ermöglichen. Im Rahmen von "Hidemar" wurden dazu mehrere Materialien auf ihre Tauglichkeit überprüft, etwa Kobalt-Platin-, Eisenplatin- oder Eisenpalladium.

Speicherung

Unter kontrollierten Bedingungen wachsen die Materialien zu zehn Nanometer kleinen (ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters) Kristallen, in denen dann die Speicherung der Information stattfinden kann. Der Anteil der Wiener Forscher an dem Projekt war die Untersuchung der Kristalle mit dem Elektronenmikroskop und die Berechnung der Speicherdichte für den jeweiligen Herstellungsprozess.

14 Projekte im Finale

Der Descartes-Preis wird heuer zum sechsten Mal "für herausragende wissenschaftliche und technologische Spitzenleistungen in grenzüberschreitender Zusammenarbeit" verliehen. Im Finale stehen 14 Projekte, an denen 76 Forscher-Teams aus 22 Ländern beteiligt sind. Nominierungen erfolgen in den Kategorien Physik, Biowissenschaften, Sozioökonomische Szenarien, Geowissenschaften, Ingenieurswesen und Informatik.

Im Vorjahr ging der Descartes-Preis zur Hälfte an ein Quantenkommunikations-Projekt, an dem die beiden österreichischen Physiker Anton Zeilinger von der Universität Wien und Harald Weinfurter von der Universität München beteiligt waren.

Zur Person

Josef Fidler wurde 1951 in Kronstorf (Oberösterreich) geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Steyr studierte er an der Technischen Universität (TU) Wien Physik. Seit 1976 ist Fidler wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU, er baute die Arbeitsgruppe "Mikromagnetismus und Magnetische Materialien" auf. Der Physiker habilitierte sich 1982 in "Kristallphysik", 1991 wurde ihm der Berufstitel "Universitätsprofessor" verliehen.

Fidler forschte auch mehrfach im Ausland, so am Max-Planck Institut für Metallforschung in Stuttgart (Deutschland), an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh (USA), am Iron and Steel Research Institute in Peking (China), am Toyota Technological Institute in Nagoya (Japan) und an der Tohoku University in Sendai (Japan).(APA)

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