Vier westliche Friedensaktivisten entführt

30. November 2005, 18:37
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Nach der deutschen Archäologin Susanne Osthoff

Bagdad - Im Irak ist eine mehrmonatige Pause bei der Entführung von Ausländern zu Ende gegangen. Neben der deutschen Archäologin Susanne Osthoff wurden vier weitere westliche Ausländer entführt. Die Organisation Christian Peacemaker Teams teilte am Mittwoch mit, ein Amerikaner, ein Brite und zwei Kanadier seien in der Gewalt von Entführern. Ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt, war zunächst nicht bekannt.

Die irakische Polizei äußerte die Vermutung, dass es Ziel der Aufständischen ist, die Wahlen Mitte Dezember zu stören und die Regierung zu diskreditieren. Die Organisation Christian Peacemaker Teams machte aber direkt die Besatzungspolitik der USA und Großbritanniens für die Entführungen verantwortlich. Der arabische Fernsehsender Al-Jazeera zeigte am Dienstag ein verschwommenes Video, in dem die vier Männer gezeigt wurden. Eine bisher unbekannte Gruppe namens "Schwerter der Rechtschaffenheitsbrigade" habe sich zu der Entführung bekannt. Christian Peacemaker Teams sind nach eigenen Angaben seit 2002 im Irak tätig. Am Dienstag war bekannt geworden, dass die 43-jährige Osthoff und ihr Fahrer seit Freitag in der Gewalt unbekannter Täter sind.

Die italienische Journalistin Giuliana Sgrena sieht derzeit alle Ausländer im Irak in höchster Gefahr. Auch eine kritische Haltung zur Irak-Politik der USA biete keinen Schutz, sagte Sgrena in einem Interview der "Neuen Presse" aus Hannover. Sie war im Februar selbst Opfer einer Geiselnahme im Irak. "Meine Entführer sagten mir, dass sie keinerlei Unterschiede machen zwischen Militärs, Journalisten oder auch humanitär Tätigen", sagte Sgrena. Ihre Entführer hätten ihr gesagt: "Wenn du den Fuß in den Irak setzt, bist du im Krieg mit drin."

Der Irak erlebte 2004 und Anfang 2005 eine Welle von Entführungen und auch Enthauptungen von Geiseln. In den vergangenen Monaten ging die Zahl der Geiselnahmen stark zurück, da viele westliche Ausländer das Land verlassen haben und die verbliebenen stärker geschützt werden. Aufständische, darunter auch die Al-Kaida im Irak, haben bisher mindestens 225 Menschen im Irak entführt, von denen 38 umgebracht wurden. (APA/AP)

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