Der Kämpfer hinter der Xbox-Story

20. März 2006, 10:33
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Für Robbie Bach war Windows nicht gut genug - Nach dem "Valentinstags-Massaker" begann der Aufstieg

Wie wird man Entertainment-Star bei Microsoft? Am steilsten verlaufen offenbar Karrieren von Managern, die Microsoft-Gründer Bill Gates lautstark widersprechen. In einem, am Microsoft-Campus in Redmond inzwischen legendären, Meeting im Februar 2000 wollte Robbie Bach, Chef des Xbox-Entwicklungsteams, von Gates und Microsoft-CEO Steve Ballmer grünes Licht, um die Xbox ohne Windows zu bauen. "Das Betriebssystem, an dem ich 25 Jahre lang gearbeitet habe, ist also nicht gut genug?", schoss Gates zurück. Bach und sein Team überstanden das dreistündige, später "Valentinstags-Massaker" getaufte Gefecht mit Gates und durften ein eigenen Betriebssystems für die Xbox entwickeln.

"Chief Xbox Officer"

Dabei ist der heute 43-Jährige kein Techie, sondern ging als MBA-Absolvent von Stanford 1988 schnurstracks zu Microsoft, zuerst nach Europa, dann als Marketingmanager von Office und ab 2000 als "Chief Xbox Officer". Noch macht die Xbox in dem von Sony dominierten Markt keinen Gewinn. Aber der bisherige Erfolg reichte aus, dass Bach zum jüngsten von drei Präsidenten avancierte und als potenzieller Ballmer-Nachfolger gehandelt wird.

Microsft bald als Apple-Konkurrent

Als Chef des Unternehmensbereichs Entertainment kommt Bach eine besondere strategische Rolle zu: Er soll den Softwarekonzern mit eigenen Geräten im Wohnzimmer verankern. Auch Apples erfolgreicher iPod ist in seinem Visier: Frustriert von den Misserfolgen, die Microsoft basierenden MP3-Playern von Dell, Creative und anderen beschert sind, soll Bach eine von Microsoft selbst gebaute Konkurrenz für den iPod erwägen.

Kämpfen hat Bach offenbar als zu schnell gewachsener Jugendlicher gelernt: Nach einem Wachstumsschub von 20 Zentimetern im Alter von 13 musste er fünf Jahre lang ein Stahlkorsett tragen - und schaffte es trotzdem in die US-Jugend-Tennismeisterschaften. Spieler ist er hingegen keiner geworden - die Xbox ist für ihn ein berufliches, kein privates Vergnügen. Und auch seine drei Kinder lässt er nur am Wochenende an die Konsole. (spu/DER STANDARD, Printausgabe vom 30.11.2005)

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    Für Robbie Bach war Windows nicht gut genug.

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