Lueger-Keller feiert 100 Jahre

8. Dezember 2005, 10:37
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Fest am 7. Dezember für 1905 von der Gemeinde Wien in Gumpoldskirchen errichtetes Weinlager. Kostprobe von "Staatsvertragswein", von dem noch 22 Original-Doppelliter vorhanden sind

Gumpoldskirchen - Im Jahr 1905 ließ die Gemeinde Wien unter Bürgermeister Karl Lueger in Gumpoldskirchen ein großes Weinlager für den - 1899 eröffneten - "Wiener Rathauskeller" errichten. Der traditionsreiche Weinbauort in der NÖ Thermenregion feiert nun den 100. Geburtstag des wunderschönen "Lueger-Kellers" mit einem großen Fest am 7. Dezember, bei dem zugleich der Jahrgang 2005 des "Königsweins" - die älteste geschützte Weinmarke Österreichs - getauft wird.

Doppelliter mit dicker Patina

Als Ehrengäste und zugleich Weinpaten werden der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) und Helmut Pechlaner, Direktor des Tiergartens Schönbrunn, erwartet. Die Winzergenossenschaft Gumpoldskirchen hat sich anlässlich des heurigen Gedenkjahres eine besondere Überraschung einfallen lassen: Kredenzt wird eine Kostprobe des "Staatsvertragsweines". 22 Flaschen des Jahrganges 1955 - Original-Doppelliter mit dicker Patina - seien noch da, weiß Christian Kamper. Und: "Wir haben vorgekostet, der Wein ist noch gut."

Die Kellerei-Genossenschaft Gumpoldskirchen pachtete den Keller im Jahr 1939 und erweiterte die Räumlichkeiten in der Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumsstraße. 1945 waren nicht nur schwere Kriegsschäden sichtbar, auch die Weinvorräte wurden geplündert. 1958 folgte der Ankauf des Kellers von der Gemeinde Wien, Jahre später der Bau einer modernen Abfüllanlage. 1982 wurde die prächtige Fassade renoviert, 1993 erwarb die Marktgemeinde den Keller und eröffnete in der oberen Halle ein Weinbaumuseum. Seit sieben Jahren wird der Keller vom Weingut Spaetrot-Gebeshuber bewirtschaftet.

"Königswein"

Im Schutz des 674 Meter hohen Anninger wachsen an sonnigen Hängen auf insgesamt 400 Hektar Fläche Trauben heran, die gehaltvolle Weine ergeben. Für den "Königswein" keltern 20 Winzer - nach strenger Selektion - aus den Paradesorten Rotgipfler und Zierfandler ein Gemeinschaftscuvee, das in zwei Varianten (trocken und lieblich ausgebaut) auf den Markt kommt. Jährlich werden etwa 20.000 Flaschen in Top-Qualität produziert.

110 Mitglieder zählt der Weinbauverein Gumpoldskirchen, rund 60 Betriebe sind aktiv. In dem rund 3.200 Einwohner zählenden Ort gibt es 40 Buschenschanken. Erhalten gebliebene Abrechnungen von Zechen aus vergangenen Jahrhunderten dokumentieren, dass weltliche und geistliche Fürsten den "Gumpoldskirchner" genossen. Stolz sind die Winzer auf die Weinbautradition ihrer Gemeinde, ebenso klar ist ihnen auch, dass heute ein Miteinander notwendig ist, um sich erfolgreich zu positionieren. (APA)

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