Telekom Austria sieht Nettogewinn 2005 bei mindestens 370 Millionen Euro

8. Dezember 2005, 14:04
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Sundt will bleiben: Habe bisher jeden Vertrag erfüllt

Mindestens 370 Millionen Euro Nettogewinn erwartet die börsennotierte Telekom Austria (TA) aus heutiger Sicht für das Gesamtjahr 2005. Wie Telekom-Chef Heinz Sundt Dienstag Abend am Rande einer Festveranstaltung zum fünfjährigen TA-Börsenjubiläum hinzufügte, sei dies "extrem konservativ geschätzt".

Steigerung

Die Telekom hat damit erstmals eine exakte Gewinnprognose für das heurige Jahr abgegeben. Gegenüber dem Vorjahr, in dem unter dem Strich 227,3 Millionen Euro Gewinn eingefahren wurde, entspricht der für heuer genannte Zielwert einer Steigerung um fast zwei Drittel.

Dividende wird verdoppelt

Daneben bekräftigte Sundt seine bisherige Ansage, die Dividende für 2005 von 23 Cent auf knapp unter 50 Cent zu verdoppeln. Auch hier merkte er an, dass dies "extrem konservativ geschätzt" sei. Die TA will für 2005 65 Prozent des Nettogewinns an die Aktionäre ausschütten.

Jahresprognose erhöht

Erst im November hatte die Telekom Austria ihre Jahresprognose für Gewinn und Umsatz neuerlich nach oben geschraubt. Zuvor war die TA noch von einem Gewinn-Zuwachs von 50 Prozent ausgegangen. Der Umsatz soll nun um mehr als 5 Prozent (zuvor "um bis zu 5 Prozent"), das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um mehr als 10 Prozent (zuvor "um bis zu 10 Prozent") steigen. 2004 hat die Telekom 4,056 Mrd. Euro umgesetzt, das EBITDA betrug damals 1,569 Mrd. Euro.

Schon mit den Neunmonatsergebnissen hat die TA neuerlich die Prognosen der Analysten zuletzt übertroffen. Der Nettogewinn der TA stieg um 85,6 Prozent auf 375,5 Mio. Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 5,8 Prozent auf 3,206 Mrd. Euro, das Betriebsergebnis (EBIT) stieg um 35,8 Prozent auf 559,4 Mio. Euro, das EBITDA um 9,9 Prozent auf 1,375 Mrd. Euro.

Sundt will bleiben

Telekom-Austria-Generaldirektor Heinz Sundt denkt nicht daran, vorzeitig zu gehen. "Ich bin Chef des Unternehmens und möchte meine Visionen umsetzen", betonte Sundt am Dienstagabend am Rande einer Festveranstaltung zum fünfjährigen Börsenjubiläum der Telekom im Gespräch mit der APA: "Ich habe jeden Vertrag in meinem Leben erfüllt." Sundts Vertrag als Vorstandsvorsitzender des börsennotierten Ex-Monopolisten läuft im April 2007 aus.

Heftige Diskussion

Zuletzt war heftig über eine vorzeitige Ablöse Sundts diskutiert worden. Am Wochenende war in Unternehmenskreisen über einen getrennten Börsegang der Mobilkom Austria im Jahr 2006 spekuliert worden. Sundt ist gegen eine Teilung der Telekom Austria in getrennte Unternehmen für Mobilfunk und Festnetz. Erst in einem jüngsten Magazin-Interview hatte es Sundt als "gravierenden strategischer Fehler" bezeichnet, die Telekom Austria "in seine Einzelteile zerlegen und dann separat zu platzieren."

Die ÖIAG hat Pläne für einen Mobilkom-Börsegang mittlerweile dementiert. In der nächsten Telekom-Aufsichtsratssitzung am 12. und 13. Dezember will die Verstaatlichtenholding dennoch die Weichen für eine neue Struktur bei der Telekom Austria stellen.

Eigener Rechnungskreis

Wie jetzt schon der Mobilfunk, der als Mobilkom Austria AG&Co KG geführt wird, soll laut ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis künftig auch das Festnetz ein eigener Rechnungskreis werden. Ob darüber nur unternehmensintern eine "virtuelle Holding" entstehen soll ober ob das Festnetz schon jetzt auch gesellschaftsrechtlich in eine AG oder GmbH abgespalten werden sollen, darüber soll bis dahin noch beraten werden.

Nemsic auf Chefsessel?

In Aufsichtsratskreisen hatte es geheißen, dass Sundt bis dahin ein "Angebot bekommen könnte, dass er nicht ablehnen kann". Die Bestrebungen sollen dem Vernehmen nach vor allem vom Finanzminsiterium ausgehen, das bei der Börsenfeier am Dienstagabend nicht vertreten war. Hintergrund soll laut Medienberichten nicht nur die Strukturdebatte sein. Gleichzeitig sollte durch einen Abgang des Telekom-Generals auch der Chefsessel vorzeitig für Nemsic reserviert werden, der ansonsten womöglich zur Konkurrenz, etwa zu Vodafone, wechseln könnte.

Der ÖIAG-Vorstand hat in der Debatte zuletzt nicht eindeutig Stellung bezogen aber grundsätzlich ebenfalls betont, die Verträge mit Sundt in jedem Fall erfüllen zu wollen.(APA)

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    Heinz Sundt (L.) sieht sich von den Ergebnissen bestätigt und will weitermachen, Spekulationen um Boris Nemsic (R.) als Nachfolger gibt es dennoch.

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