Irving-Bücher in Grazer Gefängnis werden "entsorgt"

13. Dezember 2005, 14:33
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Anstaltsleiter Adam: Handsignierte Irving-Bände aus Häftlings-Bibliothek entfernt

Wien - Vor seiner Überstellung nach Wien war der britische Revisionist David Irving in der Justizanstalt Graz-Jakomini inhaftiert - und er fühlte sich dort offenbar vergleichsweise wohl. "In der Gefängnisbibliothek sind ja einige Werke von mir - Wärter baten mich sogar, Widmungen in diese Bücher zu schreiben", lobte Irving kürzlich im "News". Anstaltsleiter Josef Adam will das nicht so stehen lassen. Irving habe seine Bücher selbstständig signiert, betont Adam gegenüber der APA. Und: "Wir werden die Bücher entsorgen."

Er habe die fraglichen Werke des umstrittenen Historikers jedenfalls bereits aus der Anstaltsbibliothek entfernt und werde sie demnächst wegwerfen, betont Adam. Bei den Büchern handelt es sich übrigens um "Schlacht im Eismeer" und "Hitlers Krieg", beide Anfang der 80er Jahre erschienen. Zweiteres gilt laut Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) als bedenklich, weil Irving aus dem Fehlen eines schriftlichen Hitler-Befehls für den Holocaust schließt, dass Hitler von der planmäßigen Judenvernichtung nichts gewusst habe.

Wie die beiden Bücher in die Gefängnisbibliothek gelangt sind, lässt sich laut Adam wegen ihres Alters nicht mehr nachvollziehen. Er betont jedoch, dass die Freihand-Bibliothek des Gefängnisses 6.400 Bände umfasse. Da könne man über den Inhalt "nicht immer genau Bescheid wissen". Als er von der Existenz der Bücher erfahren habe, habe er jedoch sofort deren Entfernung angeordnet, "weil das nicht meiner und der Haltung meiner Mitarbeiter entspricht", betont Adam.

Auch im Büro von Justizminsiterin Karin Gastinger (B) versichert man, von den Büchern nichts gewusst zu haben. "Revisionisten haben in den Bibliotheken der Justizanstalten keinen Platz. Wenn solche Bücher auftauchen, werden sie umgehend entfernt", so Gastinger-Sprecher Christoph Pöchinger. (APA)

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