1000. Hinrichtung verschoben

1. Dezember 2005, 07:27
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US-Gouverneur stoppt Hinrichtung: "Kein Fall hat mir mehr Kummer bereitet"

Washington - Der Gouverneur des Bundesstaats Virginia hat die 1000. Hinrichtung in den USA seit der Wiederzulassung der Todesstrafe gestoppt. Mark Warner teilte am Dienstag mit, er werde die Strafe des Mörders Robin Lovitt in lebenslange Haft umwandeln, da ein Gerichtsmitarbeiter Beweismaterial vernichtet habe.

"Kein Fall hat mir mehr Kummer bereitet", sagte Warner, der alle elf vorherigen Gnadengesuche abgelehnt hatte. Virginia müsse sicherstellen, dass die Todesstrafe "in jedem Fall fair angewandt wird". Der Demokrat gilt als Präsidentschaftskandidat für die Wahl 2008.

Lovitts Fall hatte landesweit für Aufsehen gesorgt. Konservative hatten erklärt, seine Hinrichtung könnte die öffentliche Unterstützung für die Todesstrafe schmälern. Der ehemalige Sonderermittler Kenneth Starr, der das Verhältnis zwischen Präsident Bill Clinton und Monika Lewinsky untersucht hatte, verteidigte ihn im Februar vor einem Berufungsgericht.

Lovitts Hinrichtung wäre die 1000. gewesen, seitdem das Oberste Gericht der USA 1976 ein landesweites Verbot der Todesstrafe aufhob. Damit entscheiden die einzelnen Bundesstaaten darüber, ob Verbrecher getötet werden können. In Texas, Virginia und Oklahoma fanden seit 1977 mehr als die Hälfte aller Hinrichtungen statt. Allein in Texas waren es 355. Die nächsten Exekutionen sind für Freitag in North Carolina und South Carolina angesetzt.

Die Zahl der in den USA zum Tode Verurteilten wie auch die der Vollstreckungen ist rückläufig. Im Jahr 2004 wurden 59 Gefangene hingerichtet, sechs weniger als im Jahr zuvor. Das Oberste Gericht untersagte 2002 die Hinrichtung von geistig Behinderten und in diesem Jahr die von Jugendlichen. Einer Umfrage von Gallup vom vergangenen Monat zufolge sinkt in der Bevölkerung die Zustimmung zur Todesstrafe. Dabei sprachen sich 64 Prozent für die Todesstrafe aus, der niedrigste Wert seit 27 Jahren. Im Jahr 1994 hatte die Zahl der Befürworter mit 80 Prozent ihren höchsten Stand. (Reuters)

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