Bush: "Kein Krieg wurde jemals nach einem Zeitplan gewonnen"

5. Dezember 2005, 09:53
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US-Präsident legte Strategiepapier für den "Sieg im Irak" vor: Truppenabzug bleibt weiter offen

Washington - Das Weiße Haus fuhr am Mittwoch eine Parallelstrategie: Ein Papier mit dem Titel "Victory in Iraq" (Sieg im Irak) wurde veröffentlicht, gleichzeitig trat Präsident George Bush mit einer Rede vor Rekruten in Annapolis (Maryland), um seine Vision für den Irak auszubreiten. Der Tenor der Rede war von früheren bekannt: Die USA kämpften im Irak für Freiheit und Demokratie und für die amerikanische Sicherheit.

Bush wies auf den Erfolg des politischen Prozesses im Irak hin und betonte, dass irakische Truppen und Polizei auch nach und nach die Verantwortung für die Sicherheit im Irak übernehmen würden. Sowohl die Rede als auch das Strategiepapier ließen aber offen, wann konkret die ersten US-Soldaten abgezogen werden. Bush sagte: "Ich will, dass unsere Soldaten nach Hause zurückkehren. Aber ich will nicht, dass sie ohne einen Sieg zurückkehren. Und wir haben die Strategie für diesen Sieg."

"Kein Krieg ist jemals nach einem Zeitplan gewonnen worden", heißt es in dem 35-seitigen Dokument: "Wir erwarten, aber können nicht garantieren, dass sich unsere Truppenpräsenz im nächsten Jahr ändern wird." Entsprechend wird zur Geduld gemahnt. Ein Sieg erfordere Zeit. Erwartungen, dass der Irak weniger als drei Jahre nach dem Sturz von Diktator Saddam Hussein zu einer voll funktionsfähigen Demokratie werde, seien unrealistisch, heißt es. Das Weiße Haus will vor allem der Kritik entgegentreten, es fehle ihm an einer klaren Strategie für Fortschritte im Irak und einen Rückzug der US-Truppen.

Drei Gruppen

Im Irak setzt sich der Feind laut Papier im Wesentlichen aus drei Gruppen zusammen, gegen die mit unterschiedlichen Strategien vorgegangen werden müsse: Die größte Gruppe bildeten diejenigen, die durch den Umsturz an Macht und Einfluss verloren haben. Als zweite Gruppe nennt das Dokument die Anhänger Saddam Husseins, die von einer Rückkehr der Diktatur träumten. Die dritte Gruppe schließlich, "Terroristen mit Verbindungen zur Al-Kaida", sei die kleinste, zugleich aber gefährlichste.

Zu einem wenig optimistischen Befund kommen zwei führende US-Militärstrategen, die bereits im Februar 2003 die Regierung gewarnt hatten: Sie werde zwar aller Voraussicht nach den Krieg im Irak gewinnen, den Frieden dann aber verlieren. Knapp drei Jahre später haben Andrew Terrill und Conrad Crane vom Historischen Institut der Streitkräfte einen neuen Bericht veröffentlicht. Dieser enthält die nüchterne Feststellung, dass praktisch alle düsteren Prophezeiungen von damals eingetroffen sind.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld plädierte am Dienstag dafür, das Wort "Aufstand" (englisch "insurgency") nicht mehr zu verwenden. Es sei das falsche Wort, um die Vorgänge im Irak zu beschreiben. Er habe über das Wochenende darüber nachgedacht und "eine Epiphanie" gehabt, sagte Rumsfeld während einer Pressekonferenz im Pentagon. "Aufstand" gebe den Gegnern der USA und der irakischen Regierung zu viel Legitimität. Der Begriff sei dort angebracht, wo ein Volk einen berechtigten Grund zur Auflehnung habe und wo die Kämpfenden den Rückhalt der Bevölkerung hätten. Prompt verwendete Präsident Bush das Wort "insurgency" in seiner Rede. (AP, AFP, Reuters, DER STANDARD, Print, Print, 1.12.2005)

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    George Bush will auch weiterhin keine genauen Angaben über den Truppenabzug im Irak machen.

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    So sieht das Deckblatt des Berichts des nationalen Sicherheitsrates aus.

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