Österreich übernimmt Kommando über EUFOR-Truppen in Nord-Bosnien

3. Dezember 2005, 16:18
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Übergabe der Führung von Finnland in Tuzla mit Minister Platter - Brigadier Pronhagl wird Kommandant

Tuzla - Ein kleiner Moment für die europäische Friedensmission in Bosnien-Herzegowina und ein großer für das österreichische Kontingent dort: Am heutigen Mittwoch hat Brigadier Karl Pronhagl von Finnland das Kommando über eine der drei Task Forces der EU-Truppen EUFOR in Bosnien übernommen. Damit steht erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik eine internationale Brigade unter österreichischer Führung. Verteidigungsminister Günther Platter (V) bezeichnete die Beteiligung an der Friedensmission als "klare Botschaft" Österreichs.

Pronhagl wird die rund 1.650 Soldaten aus 13 Nationen, davon 300 Österreicher, die nächsten sechs Monate leiten. Insgesamt wird die Task Force ein Jahr lang unter österreichischer Führung stehen. Die multinationale Truppe ist für ein Gebiet von rund 15.000 Quadratkilometern zuständig, das entspricht in etwa der Größe von Vorarlberg und Tirol. Die 1,5 Millionen Menschen zählende Bevölkerung setzt sich großteils aus Bosniaken (Moslems) und Serben zusammen.

Österreich sende mit seiner Teilnahme an dieser Mission eine "klare Botschaft", sagte Platter bei der Kommando-Übergabe in Tuzla. Die Sicherstellung des Friedens in Europa sei auch eine Aufgabe Österreichs. "Auch wir haben einen Beitrag zu leisten und können das nicht nur vom Liegestuhl aus beobachten", so Platter. "Wir können nur sicher sein, wenn wir ein stabiles Umfeld haben." Die Kosten für die Bosnien-Mission bezifferte Platter mit 11 Millionen Euro jährlich, mit der Kommandoübernahme kommen demnach im nächsten Jahr 2,5 Millionen hinzu. Ein Teil werde von der EU abgedeckt, wie groß dieser ist, sei aber noch nicht bekannt, so Platter. Der Kosovo-Einsatz kostet Österreich 27 Millionen Euro.

Das Engagement am Balkan bezeichnete der Minister in Hinblick auf die künftig verpflichtenden Auslandseinsätze beim Heer als "Vorzeichen der Bundesheer-Reform". Dies sei eine neue Ära und der heutige Tag "ein großer europäischer Tag für das österreichische Bundesheer", so Platter, der sich eine ähnliche Aufgabe für das Kosovo-Kontingent vorstellen kann. Er bekräftigte zugleich einmal mehr, sein Ziel, in den kommenden Jahren rund 3.500 rotierende und 1.500 permanente Soldaten im Ausland zu stationiert. Österreich wolle sich insgesamt noch stärker am Balkan einsetzen, gab Platter einen der Schwerpunkte für die EU-Ratspräsidentschaft vor. "Wenn notwendig, ist auch eine Aufstockung der Kontingente möglich".

Die so genannte "Althea"-Operation in Bosnien ist die dritte und mit 7.000 Soldaten mittlerweile größte Militärmission der Union. Daran beteiligt sind 33 Länder, davon 22 EU-Mitgliedsstaaten. Die Stationierung ausländischer Soldaten in Bosnien wurden im Dayton-Friedensabkommen Ende 1995 vereinbart. Vor der Übernahme der Verantwortung durch die EU 2004 wurde die Friedensmission von der NATO geleitet. Österreich entsandte erstmals 1996 Soldaten nach Bosnien. (APA)

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