Nach Entführung: "Babylon-Projekt" gefährdet

2. Dezember 2005, 12:52
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Deutsches Archäologisches Institut soll im Auftrag der UNESCO Schäden in antiker Stadt dokumentieren

Bagdad - Nach der Entführung einer Deutschen im Irak befürchten Beobachter im Land, dass die geplante Restaurierung der antiken Stadt Babylon durch das Deutsche Archäologische Institut gefährdet sein könnte. Das Institut mit Sitz in Berlin hatte erst in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass es federführend die Restaurierungsarbeiten der antiken Stadt übernimmt, die beim Einmarsch der USA im März 2003 schwer beschädigt wurde.

InstitutsmitarbeiterInnen seit 2003 abgezogen

Zunächst wollte das Institut im Auftrag der UNESCO die Schäden dokumentieren und den künftigen Umgang mit den 3.000 Jahre alten Ruinen festlegen. Die Entsendung von Fachpersonal war erst später geplant. Das Berliner Auswärtige Amt hat nach der Entführung der studierten deutschen Archäologin Susanne Osthoff eindringlich vor Reisen in den Irak gewarnt. Das Deutsche Archäologische Institut hatte bereits 2003 seine Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus dem Land abgezogen.

"Die Entführung ist bedauerlich", sagte Ahmed Abdul-Majid, der Irak-Redakteur der in London erscheinenden Zeitung "Al-Saman". "Ich befürchte, dass sich diese Entwicklung negativ auf das Projekt auswirken wird." Er forderte die Geiselnehmer auf, die Deutsche freizulassen und sich zu entschuldigen. Solche Geiselnahmen "werden auf jeden Fall irakische Kontakte mit Wissenschaftlern aus aller Welt beeinträchtigen, die sich unter schwierigen Sicherheitsbedingungen freiwillig zum Dienst im Irak melden".

Entführer Saddam-Loyalisten?

Geschichtslehrer Musahim Khalaf sagte, möglicherweise seien Saddam-Loyalisten, die die Restaurierungsarbeiten in Babylon verhindern wollten, für die Entführung verantwortlich. Nachdem der frühere Machthaber umfangreiche Veränderungen vorgenommen und US-Soldaten dort zwei Jahre kampiert hätten, müsse Babylon dringend von Archäologen betreut werden. Während der Herrschaft Saddam Husseins wurden in Babylon Tiefgaragen und Restaurants für den Massentourismus angelegt und somit tief in die antike Substanz eingegriffen. Das antike Babylon war vor fast 110 Jahren vom deutschen Archäologen Robert Koldewey ausgegraben worden. (APA/dpa)

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