Bei Hydro droht Siemens ein "steirischer Aufstand"

8. Dezember 2005, 18:04
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Landeshauptmann Voves warnt vor Verkauf an "Spekulanten" - Siemens soll österreichische Investoren "akzeptieren"

Wien/Weiz - Die Steirer machen beim Verkauf der VA Tech Hydro Druck. "Es wird einen steirischen Aufstand geben", droht der steirische Landeshauptmann Franz Voves. Sollte Siemens beim Hydro-Verkauf "Finanzspekulanten, die quasi als Treuhänder dienen" bevorzugen, "stehe ich mit auf der Straße. Denn dann sind hunderte Arbeitsplätze wirklich gefährdet", sagte Voves am Dienstag im STANDARD-Gespräch.

Das Land Steiermark werde sich in diesem Falle überlegen, die traditionell guten Beziehungen zum Siemenskonzern auf Eis zu legen. Siemens müsse die österreichischen Investoren, sollten sie gleichwertige Bieter sein - Voves meint die Cross-Holding mit Stefan Pierer, UIAG, Porr und dem Ex-Landesrat Herbert Paierl -, akzeptieren. In Gesprächen mit ihm sei vom Cross-Konsortium "eindeutig signalisiert worden", dass die Gruppe den Standort Weiz strategisch erhalten wolle. Überdies würden die österreichischen Investoren auch akzeptieren, dass das Land Steiermark - zeitlich befristet - mit einer Minderheitsbeteiligung einsteigt. Zu diesem Zweck sei eine Abkoppelung der Weizer angedacht, mit Wasserkraftschwerpunkt als eigene Tochter, bei der sich das Land beteiligen würde.

Verkauf zieht sich

Der Hydro-Verkauf selbst zieht sich inzwischen wie ein Strudelteig, die angepeilte Frist, bis 9. Dezember verbindliche Angebote vorzulegen, dürfte nicht mehr zu halten sein. Noch will das Siemens-Stammhaus in München den Verkauf bis zur Hauptversammlung Ende Jänner unter Dach und Fach haben. Da Siemens aber nur zögerlich Einblick in die Hydro-Bücher gewähre, sei eine Angebotserstellung derzeit schwer möglich, monieren Hydro-Interessenten. Außerdem fehle eine Zusage von General Electric, als Partner zu bleiben.

Ein Ergebnis der Verkaufsverhandlungen werde "sicher nicht mehr vor Weihnachten vorliegen", ist der steirische Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann mit Berufung auf "Insiderkreise" sicher. Die Steiermark sei aber "höchst interessiert" an einem industriellen Investor, der den Standort Weiz nicht nur absichere, sondern auch ausbaue. Dass Siemens über den eigenen Aktionär Allianz indirekt als Bieter mitwirke, lässt laut Buchmann durchaus Spekulationen zu, dass der Elektromulti nicht sehr engagiert am Verkauf arbeite. Buchmann: "Uns sind aber die Hände gebunden. Uns fehlt der Muskel in diesem Kräftespiel. Wir werden aber sehr wachsam sein, was sich hier abspielt." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.11.2005)

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