Beslan-Drama: Kritik an Sicherheitskräften

30. November 2005, 14:11
2 Postings

Bericht prangert Einsatz schwerer Waffen an

Mehr als ein Jahr nach der Geiseltragödie von Beslan mit 331 Todesopfern hat das Regionalparlament der russischen Teilrepublik Nordossetien den Sicherheitsbehörden mangelhafte Arbeit vorgeworfen. Im dem am Dienstag in der Hauptstadt Wladikawkas veröffentlichten Untersuchungsbericht heißt es, die Arbeit der Sicherheitskräfte sei mangelhaft gewesen. So habe es Informationen über einen bevorstehenden Rebellenüberfall gegeben; die Polizei habe aber nicht verhindert, dass schwer bewaffnete Terroristen am 1. September 2004 in die örtliche Schule eindrangen und mehr als tausend Menschen in Geiselhaft nahmen.

Der schwerste Vorwurf betrifft allerdings die Beendigung der Geiselnahme am 3. September, als bei Gefechten zwischen Terroristen und Einsatzkräften Hunderte Geiseln

umkamen. Die staatliche Seite habe unzulässigerweise Panzer, Granatwerfer und Flammenwerfer eingesetzt, sagte der nordossetische Parlamentsvorsitzende Stanislaw Kesajew. Dass dies tatsächlich geschah, allerdings um die Verluste unter den Eliteeinheiten gering zu halten, bestätigte soeben auch der General Wiktor Sobolew; seinen Worten zufolge allerdings erst in der Nacht, als nur noch Geiselnehmer im Gebäude waren. Augenzeugen widersprechen dieser Version.

Im Unterschied zum Komitee "Mütter von Beslan" behauptet die Kommission jedoch nicht, dass ein Schuss der Sicherheitskräfte die katastrophale Befreiungsaktion ausgelöst habe, wiewohl eine derartige Variante nicht ausgeschlossen wird. Im Übrigen wird angemerkt, dass sich die Angaben aus dem Katastrophenschutzministerium und der Staatsanwaltschaft nicht decken. (DER STANDARD, Print, 30.11.2005)

Eduard Steiner aus Moskau
Share if you care.