Wichtiger Zeuge im Fall Yankuba C. soll abgeschoben werden - Zustand des Hungerstreikenden laut Betreuerin kritisch
Linz/Wien – Henry Cu. war einer der Letzten, die den 18-
jährigen Schubhäftling Yankuba C. noch lebend gesehen
hatten. Der um ein Jahr ältere
Cu. saß gemeinsam mit Yankuba in einer Zelle des Linzer
Polizei-Anhaltezentrums. Beide standen unmittelbar vor
ihrer Abschiebung, beide befanden sich im Hungerstreik.
Für Yankuba C. endete die
Haft am 4. Oktober aber tödlich – der STANDARD berichtete.
Henry Cu. könnte ein wichtiger Zeuge in dem aufklärungsbedürftigen Todesfall sein,
doch jetzt soll er abgeschoben
werden.
"Klärung offener Fragen"
Verhindern will das die Linzer Plattform Civilcourage gemeinsam mit dem Anwalt der
Familie von Yankuba C., Helmut Blum. Er richtet einen
dringenden Appell vor allem
an die Fremdenpolizei und
das Innenministerium: "Die
Abschiebung von Henry muss
unbedingt aufgeschoben werden. Ein so wichtiger Zeuge
muss unbedingt angehört werden und kann wesentlich zur
Klärung offener Fragen beitragen", fordern Blum und Plattform-Sprecherin Gülcan Gigl
unisono.
Verwaltungssenat prüft
Der Anwalt hat beim Unabhängigen Verwaltungssenat
(UVS) eine Maßnahmen- und
eine Schubhaftbeschwerde
eingereicht. "Der Fall muss lückenlos aufgeklärt werden.
Der UVS ist jetzt verpflichtet,
einerseits zu prüfen, ob die
Haftbedingungen im rechtlichen Rahmen waren, andererseits ob die Schubhaft ordnungsgemäß verhängt wurde", erläutert Blum im Gespräch mit dem STANDARD.
Hohe Temperaturen
Yankuba C. aus Gambien
verstarb in einer so genannten
Sicherungszelle unmittelbar
nach einer ärztlichen Untersuchung am Linzer Allgemeinen Krankenhaus, wo man
keine akute Lebensgefahr feststellen hatte können. Allerdings soll sich der Schubhäftling aggressiv verhalten haben, weshalb die Untersuchung abgebrochen wurde.
Laut einem ersten Obduktionsbericht ist er verdurstet.
Kurz danach stand die Linzer
Polizei im Kreuzfeuer der Kritik. Unter anderem wurde der
Verdacht laut, dass Schubhäftlinge in Sonderzellen mit
hohen Raumtemperaturen ruhig gestellt werden.
"Er spuckt Blut"
Henry Cu. wurde unmittelbar nach dem Tod seines Zellenkollegen in ein Linzer Spital eingeliefert und dort dann
offiziell entlassen – um aber
kurze Zeit später von der
Fremdenpolizei wieder aufgegriffen zu werden. Nach einer
Schubhaft in Vorarlberg wurde der 19-Jährige schließlich
in die Bundeshauptstadt überstellt. Derzeit befindet sich der
junge Mann erneut im Hungerstreik. "Bei meinem letzten
Besuch hat er gesagt, es gehe
ihm gesundheitlich nicht so
gut und er spucke immer wieder Blut", erzählt Betreuerin
Verena Roschger von der "Deserteurs- und Flüchtlingsberatung Wien". Auf Nachfrage
hätte man ihr, so Roschger,
nur gesagt, dass es eine regelmäßige ärztliche Untersuchung gebe.
Zwölf Tage Hungerstreik?
"Über den Vorfall in Linz
haben wir bis dato wenig gesprochen. Interessant ist nur,
dass Henry mir erzählt hat,
dass Yankuba C. und er bereits
zwölf und nicht, wie von den
Behörden angegeben, sechs
Tage im Hungerstreik waren",
so Roschger. Auch sie plädiert
dafür, Henry Cu. als Zeugen
im Land zu behalten. Einen
entsprechenden Antrag habe
sie bereits an die Fremdenpolizei weitergeleitet. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 30.11.2005)