Tod in Zelle: Zeuge vor Abschiebung

von Redaktion  |  28. Dezember 2005, 13:15
  • Artikelbild - Foto: APA/rubra

Wichtiger Zeuge im Fall Yankuba C. soll abgeschoben werden - Zustand des Hungerstreikenden laut Betreuerin kritisch

Linz/Wien – Henry Cu. war einer der Letzten, die den 18- jährigen Schubhäftling Yankuba C. noch lebend gesehen hatten. Der um ein Jahr ältere Cu. saß gemeinsam mit Yankuba in einer Zelle des Linzer Polizei-Anhaltezentrums. Beide standen unmittelbar vor ihrer Abschiebung, beide befanden sich im Hungerstreik. Für Yankuba C. endete die Haft am 4. Oktober aber tödlich – der STANDARD berichtete. Henry Cu. könnte ein wichtiger Zeuge in dem aufklärungsbedürftigen Todesfall sein, doch jetzt soll er abgeschoben werden.

"Klärung offener Fragen"

Verhindern will das die Linzer Plattform Civilcourage gemeinsam mit dem Anwalt der Familie von Yankuba C., Helmut Blum. Er richtet einen dringenden Appell vor allem an die Fremdenpolizei und das Innenministerium: "Die Abschiebung von Henry muss unbedingt aufgeschoben werden. Ein so wichtiger Zeuge muss unbedingt angehört werden und kann wesentlich zur Klärung offener Fragen beitragen", fordern Blum und Plattform-Sprecherin Gülcan Gigl unisono.

Verwaltungssenat prüft Der Anwalt hat beim Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) eine Maßnahmen- und eine Schubhaftbeschwerde eingereicht. "Der Fall muss lückenlos aufgeklärt werden. Der UVS ist jetzt verpflichtet, einerseits zu prüfen, ob die Haftbedingungen im rechtlichen Rahmen waren, andererseits ob die Schubhaft ordnungsgemäß verhängt wurde", erläutert Blum im Gespräch mit dem STANDARD.

Hohe Temperaturen

Yankuba C. aus Gambien verstarb in einer so genannten Sicherungszelle unmittelbar nach einer ärztlichen Untersuchung am Linzer Allgemeinen Krankenhaus, wo man keine akute Lebensgefahr feststellen hatte können. Allerdings soll sich der Schubhäftling aggressiv verhalten haben, weshalb die Untersuchung abgebrochen wurde. Laut einem ersten Obduktionsbericht ist er verdurstet. Kurz danach stand die Linzer Polizei im Kreuzfeuer der Kritik. Unter anderem wurde der Verdacht laut, dass Schubhäftlinge in Sonderzellen mit hohen Raumtemperaturen ruhig gestellt werden.

"Er spuckt Blut" Henry Cu. wurde unmittelbar nach dem Tod seines Zellenkollegen in ein Linzer Spital eingeliefert und dort dann offiziell entlassen – um aber kurze Zeit später von der Fremdenpolizei wieder aufgegriffen zu werden. Nach einer Schubhaft in Vorarlberg wurde der 19-Jährige schließlich in die Bundeshauptstadt überstellt. Derzeit befindet sich der junge Mann erneut im Hungerstreik. "Bei meinem letzten Besuch hat er gesagt, es gehe ihm gesundheitlich nicht so gut und er spucke immer wieder Blut", erzählt Betreuerin Verena Roschger von der "Deserteurs- und Flüchtlingsberatung Wien". Auf Nachfrage hätte man ihr, so Roschger, nur gesagt, dass es eine regelmäßige ärztliche Untersuchung gebe.

Zwölf Tage Hungerstreik?

"Über den Vorfall in Linz haben wir bis dato wenig gesprochen. Interessant ist nur, dass Henry mir erzählt hat, dass Yankuba C. und er bereits zwölf und nicht, wie von den Behörden angegeben, sechs Tage im Hungerstreik waren", so Roschger. Auch sie plädiert dafür, Henry Cu. als Zeugen im Land zu behalten. Einen entsprechenden Antrag habe sie bereits an die Fremdenpolizei weitergeleitet. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 30.11.2005)

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1 2
dads jhfjh
30.11.2005 17:19

Allzulange sollte man mit der Abschiebung wohl nicht mehr zuwarten, wenn der Schubhäftling jetzt schon in kritischem Zustand ist.

eowyn eowyn 
30.11.2005 12:53
schrecklich..

was hier passiert ist sicherlich...

aber jetzt hab ich mal eine verständnissfrage..
Wie sollte mit einem Schubhäftling der in Hungerstreik tritt umgegangen werden....
Es haben sich ja soweit ich mich entsinne sehr sehr viele gegen die Zwangsernährung ausgesprochen...

Wie soll man also reagieren...

eowyn eowyn 
01.12.2005 12:39
komisch...

ich habe noch keine wirkliche antwort auf meine frage bekommen...
ausser ein die schubhaft abschaffen und alle hereinlassen..
mich würde das wirklich interessieren...

Pascal Riché
30.11.2005 15:24

Naja, wissen Sie: jemand, der eh schon am Rande seiner Kräfte ist, durch eine Hitzezelle auch noch umzubringen - das kann man kaum als "Hilfe" bezeichnen.

eowyn eowyn 
01.12.2005 12:35
ja das ist mir schon klar..

wenn das der wahrheit entspricht sollte das konsequenzen haben.. wir sind ja keine folterstaat..
hoff ich doch zumindestens...

Sarei
20.12.2005 00:08

..da sagt amnesty intern. aber was anderes..

Wieviel Demokratie ist es bitte?
30.11.2005 14:25
Das erklärt sich doch von selbst

Wie lange schon umwandern Menschen den Planeten?
Wenn das geklärt ist, stellen wir die Frage, wie lange es die Begriffe und Situationen Schubhaft und Schubhäftling für Menschen gibt. Sogleich kommen wir darauf, daß es sich bei Schubhaft um eine Perversität handelt. Also ist die Antwort einfach: laßt den Mann in Ruhe. Helft ihm. Österreich wird nicht im Elend versinken, wenn er hier willkommen geheißen wird und ein paar grundsätzliche Lebens- und Berufschancen erhält. Immerhin hat er es geschafft, sich gegen unzählige Widerstände von Afrika bis hierher durchzuschlagen. Also hat er etwas drauf. Gibt ja Leute die sind beim Wandern im Wienerwald schon aufgeschmissen, wenn der Weg länger als 10km ist.

eowyn eowyn 
01.12.2005 12:37

das denke ich ist nicht der richtige weg...
wenn wir wirklich alle aufnehmen würden, alle vom staat versorgen lassen..
was glauben sie bleibt dann noch für die österreicher (egal ob eingebürgert oder hier geboren) über...
irgendwann gar nichts mehr.....

thewi51
10.12.2005 18:37

wozu erst die scheinheilige frage, wie man mit hungerstreikenden umgehen soll? jetzt sagen sie endlich, worums ihnen geht!!
stellen sie sich doch vor, wie es ihnen gehen muss, dass sie diese weite flucht in einen fremden kontinent auf sich nehmen, dort in hungerstreik treten und dabei den tod in kauf nehmen?? wollen sie tauschen?

keine Lust
30.11.2005 16:15
bald kommt der Weihnachtsmann...

und der hilft dann allen, und gibt allen grundsätzliche Lebens- und Berufschancen.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
30.11.2005 19:03
Sie haben Ihre Chancen doch hoffentlich genutzt?

Sie sind ins Chancenparadies hineingeboren worden. Mitten ins europäische Verwöhnklima. Also nicht meckern! Für den Fall, daß sie nicht geistesgegenwärtig genug waren zuzugreifen: nochmal über Ihre Weihnachtsmanntheorie nachdenken und den 2. Bildungsweg bemühen.

Werner Hammerl
30.11.2005 10:10

Für eine Befragung wäre wohl bereits genug Zeit gewesen. Wenn nicht, dann soll man ihn befragen und anschließend wieder dorthin schicken wo er hergekommen ist. Ein Argument dafür, ihn hier zu belassen gibt es nicht.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
30.11.2005 12:40
Was gibt es denn für ein Argument dafür

ein Lebewesen, hier: Mensch der auf der Außenhaut einer grenzenlosen Kugel umherwandert, wie tausende ihrer Vorfahren!, sich da aufzuhalten wo es ihm beliebt, wenn er schon den Mut und die Kreativität dazu aufbringt, wie tausende Ihrer Vorfahren!, ohne deren Erdballerkundungsneugier sie nicht jetzt gerade auf ihrem A.... sitzen könnten, um über moderne Weltenwanderer herzuziehen, die tausendmal mehr Initiative an den Tag legen, als Sie je dazu fähig, willens und in der Lage wären?! Jeder Beduine und Nomade versteht mehr von Offenheit und Gastfreundschaft, als Sie sesselpubsender Touristiklandbewohner!

rotfl :)
30.11.2005 11:10

ack

Nynaeve 
30.11.2005 11:37

Kennen sie den Mann persönlich, oder sind sie einfach nur Xenophob?

Diversion
30.11.2005 15:21
nick = Rad der Zeit?

Nynaeve 
01.12.2005 00:01

Verdammt, jetzt haben sie mich erwischt ;-)!

Diversion
01.12.2005 11:20
oh mann, wer einmal alle 28 (?) bände zu je 600 seiten

in einem durch gelesen hat vergisst solche namen nicht! :-)

madman
30.11.2005 07:39
folgendes

habe ich schon zu einem anderen artikel gepostet:
"der österreichische staat sieht zu wie kinder verhungern, und tut nix. der österreichische staat sieht zu wie babys kaputtgeschüttelt werden, und tut nix. der österreichische staat sieht zu wie bnewffnete halbwüchsige ihre schulkollegen schikanieren (und fallweise töten), und tut zu spät was. was soll man da tun?"
Warum glaubt jemand, dass ausländische jugendliche vom staat besser behandelt werden sollten?

Posting:
30.11.2005 13:49

Eine gesetzliche Grundlage, um hungernstreikenden Schubhäftlingen auch gegen ihren Willen das Leben retten zu dürfen, gibt es erst ab 1. Jänner.

der d 
30.11.2005 12:27

und was hat das jetzt mit dem mord an einem menschen in der linzer schubhaft zu tun?

Werner Hammerl
30.11.2005 14:02

Was wissen sie von einem Mord?

Pascal Riché
30.11.2005 15:22

Die StA ermittelt auch wegen Mordverdacht gegen Unbekannt.

Sie sollten genauer Zeitung lesen.

duke box
30.11.2005 15:51

und mordverdacht = mord?

Posting:
30.11.2005 15:30

In welcher Zeitung steht denn das?

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