Blair läutet Atomstrom-Revival ein

Dramatische Kehrtwende in der britischen Energiepolitik: Statt des Ausstiegs aus der Kern­energie plant London den Bau neuer AKWs

In drastischen Worten hat Tony Blair am Dienstag eine Kehrtwende in der Energiepolitik Großbritanniens angekündigt. Einst wollte sein Kabinett aus der Atomenergie aussteigen, jetzt peilt es den Bau neuer Kraftwerke an.

Vor Industriellen in London sprach Blair von einem "fieberhaften Umdenken", das im Gange sei, weil sich die Welt verändert habe. Zum einen stiegen die Preise für Öl und Gas, zum anderen sei die Versorgung mit diesen Rohstoffen bedroht.

Detailplan bis Sommer

Aufstrebende Nationen wie China und Indien verbrauchten deutlich mehr Energie, die Lage in der Krisenregion Nahost sei instabil, ergo müsse man über Gegenentwürfe zur bisherigen Politik nachdenken. Bis kommenden Sommer will Blair ein neues Konzept vorlegen.

Doch kaum jemand hat noch Zweifel, dass Blair die Weichen bereits gestellt hat und auf neue Atomreaktoren setzt. Die Rechnung, wie er sie jetzt machte, lässt nur diesen Schluss zu. Wenn – bis auf eine Ausnahme – sämtliche Atommeiler der Insel in den nächsten 20 Jahren vom Netz gehen und zudem einige veraltete Kohlekraftwerke schließen, fehlt nach Blairs Angaben rund ein Drittel der heutigen Energieproduktion. Windräder, Wellen- und Gezeitenkraftwerke, Sonnenenergie und andere alternative Quellen reichten nicht, um die Lücke zu schließen.

Aus der Rhetorik folgt, dass die Downing Street Blaupausen, die seit Langem in den Schubladen liegen, demnächst wohl umsetzen wird. Geplant ist der Bau von mindestens zehn neuen Atomanlagen, zumeist dort, wo heute bereits Meiler älterer Generationen stehen. "Der Deal ist längst perfekt, Blair hat entschieden, der Rest sind Feigenblätter", meint Norman Baker, umweltpolitischer Sprecher der oppositionellen Liberaldemokraten, die sich gegen die Abkehr vom Atomausstieg stemmen.

Terrorziele

In den Reihen der regierenden Labour Party sind über vierzig Rebellen bereit, ihrem Parteichef im Atomstreit die Stirn zu bieten. Ihr Wortführer, Ex-Umweltminister Michael Meacher, zählt die Risiken einer nuklearen Renaissance auf: Kernkraftwerke, warnt er, könnten leicht Terrorziele werden. Die Lawine radioaktiven Mülls wäre kaum zu beherrschen und käme den Steuerzahler teuer zu stehen. Schon jetzt koste es gut 80 Mrd. Euro, um die Abfälle, die sich in fünf Jahrzehnten Atomstrom anhäuften, fachgerecht zu entsorgen.

Die Umweltgruppe "Friends of the Earth" zeichnet ihrerseits ein alarmierendes Szenario: Da die meisten britischen Reaktoren an der Küste liegen, drohen sie überflutet zu werden, falls der Meeresspiegel in Folge der globalen Erwärmung steigt. Ursprünglich wollte das Königreich bis 2023 etappenweise aus der Atomkraft aussteigen, eine Absicht, mit der Labour 1997 ins Amt gezogen war. Nur die modernste der 16 Nuklearanlagen, der Druckwasserreaktor Sizewell B an der Nordsee, sollte noch länger, bis 2035, Strom liefern.

Sonderaufschlag

Während heute noch rund ein Fünftel der britischen Energie nuklear erzeugt wird, sollte sich die Kurve allmählich der Null nähern. Nun ist es allen voran Blairs wissenschaftlicher Chefberater, der die alten Pläne zur Makulatur erklärt. Sir David King schwebt vor, den Anteil des Atomstroms auf 30 bis 35 Prozent der Gesamtbilanz zu steigern – "das wäre optimal", schrieb er in einem vertraulichen Papier, das der Sunday Times zugespielt wurde.

Die roten Zahlen, die Großbritanniens Atombranche traditionell schreibt, soll nach Kings Vorstellungen der Verbraucher ausgleichen. Demnach sollen die Kunden künftig stärker zur Kasse gebeten werden – durch einen Sonderaufschlag auf die Stromsteuer. (Frank Herrmann aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.11.2005)

Wissen: Weltweit 442 AKWs am Netz

1954 wurde in Obninsk bei Moskau das erste Kernkraftwerk in Betrieb genommen. 1955 folgte das erste kommerziell zur Stromerzeugung eingesetzte Atomkraftwerk (AKW) in Calder Hall (Nordwest-England). Aktuell sind 442 AKWs am Netz.
Von den weltweit 24 in Bau befindlichen Meilern befinden sich acht in Europa - die in Großbritannien geplanten neuen Anlagen noch nicht eingerechnet. Heuer wurden aber auch einige AKWs geschlossen, z. B. Barsebäck-2 in Schweden oder Obrigheim in Deutschland. (stro)
Share if you care
Posting 1 bis 25 von 137
1 2 3 4
Zwentendorf 2006 - Die Geschichte geht weiter...

Regierung und SPÖ haben mit ihrer Ökostrom-Gesetzes-Novelle die Energiewende in Richtung Ökostrom aus Wind, Sonne, Biomasse und Kleinwasserkraft abgedreht. Österreich importiert heute schon mehr als zweimal soviel Atomstrom wie das Atomkraftwerk Zwentendorf je produziert hätte. Und es wird mehr werden, wenn wir nicht auf eigene erneuerbare Produktion setzen.

Zwentendorf 2006 - Die Geschichte geht weiter ...

Kongress am Samstag, 3. Dezember 2006 im Naturhistorischem Museum von Greenpeace, Global 2000, WWF, Umweltdachverband, Agenda X u.v.a.

Infos und Anmeldung: www.zwentendorf2006.at

Super Leistung

Super Leistung, in den fast 30 Jahren nach der Zwentendorf- Abstimmung trotz des super Kohlekraftwerkes Dürnrohr so wenig Ökostrom zu produzieren, dass "Atomstrom" importiert werden muss. Und dabei ist die ganze Parndorfer Platte mit Windrädern zugepflastert. Es gilt halt öfter mal "kein Wind - kein Strom". Interessant, dass die Öko- Lobby zwar den AKW eine nur 70%- Verfügbarkeit vorwirft aber eine 40%- Verfügbarkeit der Windkraftwerke und 20%- Verfügbarkeit der Solarkraftwerke nicht einmal erwähnenswert findet.

Das ist absoluter bullshit .....


..... denn abgesehen von allen - absolut berechtigten - Sicherheitsbedenken: Die Uranvorräte dieses Planeten reichen gerade noch mal so ein paar Jahrzehnte, dann ist da auch Ende der Fahnenstange, es sei denn, man wollte die Brütertechnologie wiederbeleben, und das wäre nun wirklich kollektiver Selbstmod a la carte.

Bruder Blair scheint wirklich einen heftigen Pecker zu haben.

Sellafield ist übrigens ein Euphemismus: Das Ding heißt realiter Windscale, flog mal fast in die Luft und wurde aus public-relations-Gründen danach umbenannt.

http://www.nucleartourist.com/events/windscal.htm

Blair is a bLiar, that's what he is. And a poodle too .....

Ganz so einfach ist es leider nicht mit dem Uran:
In Deutschland hat man schon einem Thoriumreaktor bebaut nur ist der halt nie in Betrieb gegangen. Thorium kommt in der Natur haufiger vor als Uran -> an Brennstoff wirds den künftigen Reaktoren nicht so bald mangeln.
Die Zukunft wird aber so ausschauen:
Es wird Länder geben die keine Atomkraftwerke haben und die importieren Atomstrom dann von Ländern die welchen haben.
Italien hat zwar noch eigene AKW's aber die kaufen jetzt schon kräftig in Frankreich ein und da ist der Atomstromanteil ~70%.

Die roten Zahlen, die Großbritanniens Atombranche traditionell schreibt, soll nach Kings Vorstellungen der Verbraucher ausgleichen. Demnach sollen die Kunden künftig stärker zur Kasse gebeten werden – durch einen Sonderaufschlag auf die Stromsteuer.

... ein bisserl seltsam, die sauberste, billigste und sicherste Energie!

dieser Blair.

........

Alternativen

www.graviflight.de
www.orgonise-africa.net

für Bastler !

Einiges hab' ich schon ausprobiert *vergnügt grins*

ziemlich unfair!!!

http://wewewe.orgonise-africa.net/category.... goryID=109

die haben da eine heilung für HIV UND Krebs und sagen keinem was :))

aber der eigentlich durchbruch ist wohl die heilung für PMS (post! menstruelles syndrom) ein segen!

Atommüllentsorgung?

"Schon jetzt koste es gut 80 Mrd. Euro, um die Abfälle, die sich in fünf Jahrzehnten Atomstrom anhäuften, fachgerecht zu entsorgen"

nur die zeit kann den müll entsorgen.
mensch kann ihn nur lagern.
das allein kostet schon zuviel.

Danken SIE

den green comical´s dafür,denn sie sind ja durch ihre lächerliche Treibhaushysterie zu den besten Werbeträgern der Atomlobby geworden!

Armin vom Berg der Freude

AK ist mit oder ohne Kyoto am aufsteigenden Ast

Dank Kyoto aber auch alternative Energieträger; die bessere Wahl somit.
Lern was LUKE!!!!!!!!!

oje ...

am Berg sind leider wieder einmal die Medikamente ausgegangen.

Wieder ein neuer nick

aus dem green comical office?

Armin vom Berg der Freude

was sind denn sie für ein Irrer? wirres Zeug, das sie da schreiben? Berg der Freude, green comercial office? Was soll das alles?

Hm a bissl

schwer. IN der Klimaschutz Sektion postet er auch und wer für eine Ökologisierung eintritt (so wie ich) ist ein green comical....
lg

Fragens die very best of the

green comical´s!

Armin vom Berg der Freude

Anscheinend kostet es nicht zuviel

sonst würde es sich für die investoren ja nicht rechnen.

es rechnet sich auch nicht

deswegen gibt es nirgendwo auf der Welt ein privatwirtschaftlich betriebenes AKW. Selbst in den USA wurde vor wenigen Jahren der letzte private AKW Betreiber verstaatlicht.

Mr.Burns musste sein AKW hergeben??..

kosten????

invesieren und entsorgen muss der staat und somit der steuerzahler. rentieren tut es sich für die atomkonzerne, welche abkassieren.

Wen meinen Sie eigentlich?

Die Lieferanten? Die verdienen an Kohlekraftwerken genauso gut. Die Stromkonzerne? vielleicht, aber die müssen sehr wohl auch die Lagerung und Entsorgung kalkulieren. Solange sie monopolistisch und staatlich sind, wird es dabei bleiben, Bei Konkurenz könnte sogar der Stromkunde profitieren, je nach funktionierender Marktwirtschaft - je liberaler desto mehr.
Also - wer sind die - privaten - Atomkonzerne, die 'abkassieren'?

Ganz genau!

Auch der Staat muß das lächerliche Kioto-Kasperle-Theater im Interesse der Atomlobby bezahlen!

Armin vom Berg der Freude

Wer ist die Atomlobby die sich Kyoto bestellt hat?

bz. könne Sie mir eine Firma nennen, die Ihrer Meinung zur Atom-Lobby gehört und sich Kyoto von so Regierungen wie Österreich etc.bestellen würde?

Verfolgungswahn? Früher waren's die Juden, jetzt ist es halt die Atomlobby - wer immer das eigentlich ist.

Posting 1 bis 25 von 137
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.