Europa stehen tiefgreifendste Veränderungen seit 5.000 Jahren bevor

29. November 2005, 16:33
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Kontinent erwärmt sich aufgrund seiner Lage und Größe überdurchschnittlich - im Süden droht Ausbreitung von Wüsten

Paris - Europa droht einem Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) zufolge der "schlimmste Klimawandel" seit gut 5.000 Jahren. Sollte sich die derzeitige Erderwärmung fortsetzen, könnten "bis zum Jahr 2050 drei Viertel der Schweizer Gletscher weggeschmolzen sein", heißt es in dem jüngsten Bericht der EUA. Die Studie wurde am Dienstag in Paris veröffentlicht, einen Tag nach Beginn der Weltklimakonferenz im kanadischen Montreal.

Die globale Erdtemperatur stieg laut EUA im vergangenen Jahrhundert um 0,7 Grad Celsius an. Europa erwärmte sich auf Grund seiner Lage und der verhältnismäßig geringen Erdmasse sogar um 0,95 Grad Celsius. Allein im Hitzesommer 2003 seien zehn Prozent der Alpengletscher weggeschmolzen. Diese Entwicklung werde sich ohne eine "effiziente, auf Jahrzehnte angelegte Aktion" beschleunigen, warnt die EUA. Die Folge werde das Abschmelzen des Eises im Norden und eine Ausbreitung von Wüsten im Süden Europas sein. "Die Bevölkerung des Kontinents könnte sich immer mehr auf Mitteleuropa konzentrieren", sagte die Direktorin der Agentur, Jacqueline McGlade.

An Extreme gewöhnen

Die EU hofft, durch die Umsetzung des Kyoto-Klimaprotokolls die globale Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dies halten Klimaforscher jedoch für nicht ausreichend. Sie fordern eine viel striktere Begrenzung des Ausstoßes so genannter Treibhausgase, die für die Erderwärmung verantwortlich gemacht werden. Selbst wenn das Zwei-Grad-Ziel der EU erreicht werde, müssten die Menschen in Europa künftig mit extremen Wetterbedingungen leben, sagte McGlade.

Die Berichte der EUA, einer EU-Einrichtung mit Sitz in Kopenhagen, werden alle fünf Jahre veröffentlicht. Sie geben einen Überblick über die aktuelle Umweltlage in 31 Ländern - den 25 EU-Staaten sowie Bulgarien, Island, Liechtenstein, Norwegen, Rumänien und der Türkei. (APA)

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