Streit um Napoleon zum 200. Jubiläum der Drei-Kaiser-Schlacht

5. Dezember 2005, 13:21
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Historiker vergleicht Austerlitz-Sieger mit Hitler - Napoleon-Gedenken sei "historischer Revisionismus im sowjetischen Stil"

Paris - Als genialer Feldherr wird er diese Woche zum Jubiläum der legendären Drei-Kaiser-Schlacht von Austerlitz gefeiert - für Kritiker war Napoleon ein Krimineller und ein Rassist. Die Wiedereinführung der Sklaverei 1802 und die rassistische Gesetzgebung unter Napoleon hätten eine Million Menschen das Leben gekostet, schreibt der angesehene Historiker Claude Ribbe in einem am Donnerstag erscheinenden Buch.

Napoleon-Gedenken sei "historischer Revisionismus im sowjetischen Stil", kritisieren Nachkommen von versklavten Franzosen aus den Übersee-Gebieten in den Antillen, Guyana und Réunion. Sie rufen für Samstag zu einer Protestkundgebung in Paris auf.

"Vorläufer Adolf Hitlers"

Napoleon, dessen Sieg über Russen und Österreicher in Austerlitz sich Freitag zum 200. Mal jährt, könne als Vorläufer Adolf Hitlers bezeichnet werden, schreibt Ribbe, der auch in der Menschenrechtskommission der französischen Regierung sitzt, in seinem Buch "Le crime de Napoléon" (Napoleons Verbrechen). "Völkermord mit dem Einsatz von Gas, Versklavung, tödliche Deportation, Todesschwadronen, Konzentrationslager und Rassengesetzgebung: 140 Jahre vor der Shoah zögert ein Diktator, der von der Weltherrschaft träumt, nicht, einen Teil der Menschheit mit seinem Stiefel zu zertreten."

Wie im Vorgriff auf die Nürnberger Gesetze der Nationalsozialisten habe der damalige Kaiser der Franzosen 1803 Ehen zwischen Schwarzen und Weißen verbieten lassen, erinnerten auch Verbände von Franzosen aus den Überseegebieten. Der Unterzeichner dieser Verordnung, Ambroise Régnier, habe ein Ehrengrab im Pariser Panthéon. "Frankreich sollte sich so sehen, wie es ist", forderte der sozialistische Abgeordnete aus Guadeloupe, Victorin Lurel. "Frankreichs Geschichte ist reich genug, um sie voll und ganz zu akzeptieren."

28.000 Tote bei der Drei-Kaiser-Schlacht

In der Drei-Kaiser-Schlacht besiegten 71.000 Soldaten Napoleons am 2. Dezember 1805 innerhalb von weniger als sechs Stunden die 91.000 Männer starken Armeen Österreichs und Russlands, 28.000 Menschen wurden getötet. Bei der Gedenkfeier auf dem Pariser Vendôme-Platz am Freitagabend wird von Schattenseiten der Geschichte keine Rede sein. An der Zeremonie nimmt ein Bataillon der Militärakademie Saint-Cyr teil, Standarten der Regimente, die an der Schlacht bei Austerlitz im heutigen Tschechien beteiligt waren, werden gezeigt. Geladen sind Vertreter der ganzen Europäischen Union sowie Russlands und der USA. (APA)

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    Alljährlich wird die Drei-Kaiser-Schlacht bei Austerlitz nachgespielt. Hunderte Enthusiasten strömen zu diesem Schauspiel nach Tschechien.

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