RSF kritisieren Vorgänge bei russischem TV-Sender

7. Dezember 2005, 11:25
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Nachrichtenmoderatorin die eine Fall von Zensur öffentlicht machte abgesetzt

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) hat die Absetzung einer Nachrichtenmoderatorin beim an RTL und Kreml-nahe Konzerne verkauften russischen Fernsehsender Ren-TV verurteilt. Olga Romanowa hatte zuvor einen Fall von Zensur öffentlich gemacht. Demnach wurde ein kritischer Bericht über den Sohn von Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow aus den Hauptnachrichten genommen.

"Romanowa ist spezialisiert auf kritische Berichte über Behörden, insbesondere der Politik des Kremls gegenüber der Rundfunkbranche, das macht diesen Fall besonders Besorgnis erregend", schrieb die internationale Presseorganisation am Dienstag in einer Aussendung. Die russische Regierung kontrolliere nahezu jedes Medium im Land. Ren-TV sei bisher die letzte Fernsehstation gewesen, die noch als unabhängig habe verstanden werden könne.

Laut RSF wurde der Starmoderatorin am 24. November mitgeteilt, dass sie an diesem Abend ihre Sendung nicht beginnen könne. Drei Sicherheitsbedienstete, von denen keiner bei der TV-Station beschäftigt sei, stoppten Romanowa auf dem Weg ins Studio, nachdem sich diese weigerte, dem Verbot Folge zu leisten.

Präsentationsverbot

Einige Tage davor habe sie vom Programmchef von Ren-TV für zwei Themen ein Präsentationsverbot erhalten. Das erste Thema bezog sich den Angaben von RSF zufolge auf einen Prozess gegen den Sohn von Verteidigungsminister Iwanow. Alexander Iwanow hatte ein Pensionisten in Moskau auf einem Fußgängerübergang überfahren. Er blieb unbehelligt, da die Staatsanwaltschaft ungeachtet von Zeugenaussagen keine Schuld feststellte. Das zweite Präsentationsverbot betraf die Errichtung einer 15 Millionen Dollar (12,79 Mrd. Euro) teuren Kristallkapelle durch den regierungsnahen Architekten Zurab Tsereteli.

Der neue Ren-TV-Geschäftsführer Alexander Ordjonikiidze erklärte die Sperre der Journalistin mit dem Bedarf des Kanals, die Zuschauerquote durch Ausprobieren neuer Programmgestaltung und neuer Moderatoren anzuheben, wie es in der Aussendung weiter hieß. Er wolle Romanowa nicht erlauben, den abendlichen Sendeplan an sich zu reißen. Weiters sagte Ordjonikiidze, dass Romanowa am 28. November - also bereits Montag - die Arbeit wieder aufnehmen werde. (APA)

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