Ausstellung würdigt vertriebenen Komponisten

29. November 2005, 14:35
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Jüdisches Museum widmet sich dem in Vergessenheit geratenen Eric Zeisl

Wien - "Ich muss gestehen, als ich die Familie Zeisl-Schönberg kennen lernte, war mir der Name Erich Zeisl wirklich kein Begriff", sagte Karl-Albrecht Weinberger, Direktor des Jüdischen Museum Wien bei der Präsentation der Ausstellung "endstation schein-heilgenstadt. eric zeisls flucht nach hollywood" am Dienstag. Die Schau, die im Rahmen der Reihe "Musik des Aufbruchs" ab morgen, Mittwoch, zu sehen ist (bis 26. 3.), zeichnet die Biografie des jüdischen Wiener Komponisten Erich Zeisl (1905-1959) nach, der 1938 ins Exil nach Los Angeles emigrierte.

Mit dieser Ausstellung hofft Weinberger, "ein Wiener Kulturgut zurück nach Wien zu bringen". Kennen gelernt habe er die Familie im Wiener Schönberg Center, wo man beschlossen habe, anlässlich des 100. Geburtstags von Erich Zeisl eine Schau zu gestalten. Zeisls Tochter Barbara ist mit dem Sohn Arnold Schönbergs, Ronald, verheiratet. Die amerikanische Biografie Zeisl stelle sich auch dar als "Who is Who der deutschsprachigen mitteleuropäischen Emigration in Los Angeles", meinte Kurator Werner Hanak. In Zeisls Adressbuch verzeichnet finden sich Namen wie Ernst Krenek, Erich Wolfgang Korngold, Hanns Eisler, Arnold Schönberg, Lion Feuchtwanger, Igor Strawinsky, Alma Mahler-Werfel.

Werdegang

Erich Zeisl, der sich in Amerika Eric nannte, wurde am 18. Mai 1905 in Wien als Sohn der Kaffeehausbesitzer Sigmund und Kamilla in der Leopoldstadt geboren. Gegen den Widerstand seiner Familie nahm er zunächst privaten Musikunterricht bei Joseph Marx und Hugo Kauder. Zeisl arbeitete ab 1920 selbst als Musiklehrer und freischaffender Komponist. Er unterhielt eine enge Freundschaft mit der Schriftstellerin Hilde Spiel, die ihn in mehreren Büchern beschreibt. 1935 heiratete er Gertrud Jellinek. Seine Kompositionen, in der Tradition des deutschen Kunstliedes eines Schubert, Brahms oder Wolf stehend, wurden 1933 in Deutschland, und 1938 in Österreich verboten.

Nach dem Novemberpogrom emigrierte Zeisl zunächst nach Paris, und dann nach New York. 1941 übersiedelte die Familie mit Tochter Barbara nach Los Angeles, wo Zeisl auf Empfehlung von Hanns Eisler in Hollywood für Filmproduktionen arbeitete. 1945 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Fortan unterrichtete er an der Southern California School of Music und am Los Angeles City College, und war auch Composer-in-residence am Brandeis-Bardin Institute. Zeisl starb am 18. Februar 1959 in Los Angeles. 1976 wurde das Eric-Zeisl-Archiv an der University of California eingerichtet.

Soundtrack eines Lebens

Die Ausstellung, von den Kuratoren Michael Haas, Karin Wagner und Werner Hanak konzipiert und von Thomas Geisler gestaltet, zeichnet den Lebensweg anhand von Notenblättern, Fotos, Briefen, und persönlichen Gegenständen nach. Besuchern steht ein Audioguide zur Verfügung, der auch musikalische Beispiele aus dem Werk Zeisls als Kostprobe bietet. Farblich ist ein intensives Blau dominant, eine Anspielung an ein Zitat Zeisls, der die Filmmetropole Hollywood als "ein blaues sonniges Grab" bezeichnet hatte.(APA)

Ausstellung "endstation schein-heilgenstadt. eric zeisls flucht nach hollywood", Jüdisches Museum Wien, 30. 11. bis 26. 3., So - Fr 10 - 18, Do 10 - 20

Zur Ausstellung erschien ein Begleitbuch mit CD um Euro 19,90
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