Neue Dopamin-Therapie macht Parkinson-Patienten das Leben leichter

6. Dezember 2005, 18:30
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L-Dopa in Gelform wird über tragbare Pumpe direkt in den Dünndarm verabreicht - Wirkungsschwankungen werden damit verhindert - Mit Infografik

Wien - Eine neue Form der Dopamin-Therapie soll den Parkinson-Patienten das Leben wesentlich erleichtern. Die neue Methode, bei der über eine tragbare Pumpe eine kontinuierliche Infusion von L-Dopa in Form eines Gels direkt in den Dünndarm möglich ist, wurde in Schweden entwickelt und am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellt.

Das neue System nennt sich "Duodopa". Es handelt sich dabei um eine tragbare, Computer gesteuerte Pumpe, die über eine so genannte PEG-Sonde durch die Bauchhaut kontinuierlich L-Dopa in den Dünndarm liefert. Die Dosis ist über den Computer individuell steuerbar.

Wirkungsschwankungen werden verhindert

"Damit vermeidet man jene Schwankungen, die bei der herkömmlichen Tabletten-Therapie Probleme verursachen", sagte Univ.-Prof DDr. Per Odin vom Klinikum in Bremerhaven (Deutschland). Da die Tabletten über den Magen zeitlich nicht steuerbar in den Dünndarm abgegeben werden, kommt es zu Wirkungsschwankungen der Therapeutika, "zu Überbewegungen und plötzlicher Starre", wie Prim. Dr. Dieter Volc von der Neurologischen Abteilung im Privatklinikum Josefstadt ausführte.

Diese so genannten On- und Off-Phasen können durch das Duodopa-System rasch ausgeglichen werden. Odin: "Durch die individuelle Dosierungsmöglichkeit treffen die Patienten mitten ins therapeutische Fenster." Außerdem sei die dafür nötige Extradosis wesentlich geringer als bei der Tabletten-Therapie - und zwar zwischen zehn und 20 Milligramm im Gegensatz zu 50 bis 100 Milligramm.

Deutlich höhere Lebensqualität

Die Folge ist eine deutlich gesteigerte Lebensqualität, wie auch der Salzburger Gerhard Pytlik, der erste mit Duodopa behandelte Parkinson-Patient in Österreich, am Dienstag bekräftigte. Die neue Methode hat dieselben möglichen Nebenwirkungen wie bei der Verabreichung von Tabletten - wie Übelkeit oder Erbechen -, ist aber laut Odin weit weniger riskant als die Therapieform der Tiefenhirnstimulation, bei der ein chirurgischer Eingriff im Gehirn nötig ist.

Allerdings ist die Therapie mit Duodopa nicht ganz billig. Volc bezifferte die Kosten mit "100 Euro pro Tag". Nimmt man Tabletten, kommt man auf rund 30 Euro. Freilich müsse man die "indirekten Kosten" in diese Rechnung mit einbeziehen, sagte der Neurologe. "Dann kommt man wahrscheinlich in die Nähe der 30 Euro."

Parkinson-Vermeidung durch "Lebensfreude"

Aber was kann man tun, um eine Parkinson-Erkankung zu vermeiden? Das Geheimnis heißt "Lebensfreude". Volc: "Wer öfter Vorfreude empfindet, schüttet Dopamin aus." Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, erhöhe sich, wenn man an einer "Motivationsminderung" leide oder inaktiv sei, das habe aber nichts mit einer Depression zu tun. (APA)

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