Lunacek: Dokument über Homosexualität verantwortungslos

29. November 2005, 13:16
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Widerspricht zentralem EU-Wert Antidiskriminierungsgebot und Botschaft des Religionsgründers Jesus

Wien - "Das Dokument des Vatikans über Homosexualität und Priesterweihe drückt eine verantwortungslose und unchristliche Haltung an der Spitze der katholischen Kirche gegenüber schwulen Männern aus. Es widerspricht der Botschaft des Religionsgründers Jesus, der sich immer für die Ausgegrenzten eingesetzt hat", kritisiert Ulrike Lunacek, Abgeordnete der Grünen. "Der Vatikan begibt sich mit diesem Dokument zudem auf menschenrechtliches Glatteis. Daher ist auch die EU gefordert auf dieses Dokument zu reagieren, denn es widerspricht dem Menschenrechtsgedanken, der jede Diskriminierung ablehnt. Der Vatikan stellt sich mit dieser 'Instruktion' gegen zentrale Werte der Europäischen Union", so Lunacek.

Tiefe Verunsicherung

Besonders absurd sei, dass das Dokument als Schutz vor pädophilem Kindesmissbrauch begründet werde. "Der Vatikan setzt damit Homosexualität mit Pädophilie gleich, was ein völliger Unsinn ist. Kindesmissbrauch gibt es sowohl von Heterosexuellen und als auch von heterosexuellen Priestern", so Lunacek. Zudem sei der Vatikan inkonsequent, da homosexuelle, schon geweihte Priester im Amt verbleiben dürften. Außerdem werden mit diesem Dokument gläubige schwule Männer und gläubige lesbische Frauen zutiefst verunsichert, weil gleichgeschlechtliche Akte als 'schwere Sünde' bezeichnet werden.

Lunacek kritisiert auch die Stellungnahme von Bischof Küng, der zwar im Ton gemäßigter, in der Sache aber ident argumentiert. Lunacek appelliert an die Kirche, "von schwulen zukünftigen Priestern nicht mehr zu verlangen als von heterosexuellen".

Betrachtung als Krankheit

Entsetzt ist Lunacek zudem über die Meldung im Mittagsjournal, nachdem die katholische Kirche in Brasilien eine Klinik unterstütze, die therapeutische Maßnahmen für Lesben und Schwule anbiete. "Damit wird deutlich, dass Homosexualität von der katholischen Kirche nach wir vor als 'Krankheit' betrachtet wird, die heilbar ist" so Lunacek "Seit 1991 gilt nicht einmal mehr in der WHO Homosexualität als Krankheit", konstatiert Lunacek abschließend. (red)

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