Der Wödmasta wäre 80

16. Dezember 2005, 10:53
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Ernst Happel, Öster­reichs größter Trainer, holte achtzehn Titel - Er führte sowohl Feyenoord als auch den Hamburger SV zum Meistercup

Wien - Er wird für immer der einzige "Wödmasta" ohne Weltmeistertitel bleiben. Aber ansonsten hat Ernst Happel als Spieler und vor allem als Trainer alles gewonnen, was es in der Fußball-Welt zu gewinnen gibt. Österreichs erfolgreichster und bester Trainer der Geschichte, der auch im Ausland höchstes Ansehen genießt, wäre am kommenden Dienstag 80 Jahre alt. Wenige Tage vor seinem 67. Geburtstag war die Ikone am 14. November 1992 einem Krebsleiden erlegen.

Letzte Station ÖFB-Team

Zuvor hatte Happel den österreichischen Fußball geprägt wie kein Zweiter, betreute noch fast bis zu seinem Tod die Nationalmannschaft. Die hatte er erst elf Monate zuvor übernommen und bereits bei seinem Amtsantritt, von seiner langen und schweren Krankheit gezeichnet, von seiner letzten Station gesprochen - der letzten einer schillernden Karriere. Mit insgesamt 18 Titeln in den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Österreich machte sich der Wiener zum damals erfolgreichsten Klubtrainer aller Zeiten.

Feyenoord Rotterdam führte der Fußball-Genius aus der Wiener Vorstadt erst zum niederländischen Double, im Jahr darauf zum Triumph im Europacup der Meister und im Weltpokal, ehe er Club Brügge vom Abstiegskandidaten zum dreifachen belgischen Meister machte. Den Meistercup-Sieg mit Feyenoord wiederholte Happel 1983 mit dem Hamburger SV. "Alles, was Happel sagt, ist für mich ein Evangelium", würdigte Deutschlands "Kaiser" Franz Beckenbauer seinen damaligen HSV-Feldherren.

Härte und Disziplin

Happels Erfolgsrezepte waren Härte und Disziplin mit der nötigen Portion Menschlichkeit. Bayern-Trainer Felix Magath bezeichnete ihn einmal respektvoll als "menschlichen Schleifer". Den WM-Titel verpasste der "Wödmasta" mit seiner zweiten Heimat, den Niederlanden, 1978 nur um Stangenbreite. Im Finale in Buenos Aires traf Rob Rensenbrink in der Schlussminute beim Stand von 1:1 nur den linken Pfosten, in der Verlängerung setzte sich Gastgeber Argentinien mit 3:1 durch und krönte sich zum ersten Mal als Weltmeister.

Ein Titel, der Happel von den Fans seines Stammklubs Rapid schon in seiner aktiven Zeit verpasst wurde. Denn schon als Kicker in den Reihen des österreichischen Rekordmeisters war der geniale "Stopper" eine ganz große Persönlichkeit, wegen seiner Ballsicherheit, Übersicht, Schusskraft und Schlitzohrigkeit von Gegenspielern ebenso gefürchtet wie bewundert. Sechs Mal wurde Happel mit den Wienern Meister, dazu ein Mal Cupsieger und mit dem Team 1954 WM-Dritter.

Gala gegen Real

Seinen Gala-Auftritt hatte der Ausnahme-Könner aber am 11. November 1956, als er den damals überragenden Klub Real Madrid beinahe im Alleingang aus dem Meistercup bugsierte. Das Hinspiel in Spanien hatte Rapid 2:4 verloren, beim 3:1 im Rückspiel in Wien erzielte Happel mit zwei Freistößen und einem Elfmeter alle drei Tore und traf ein Mal die Latte. Hätte es schon damals die Auswärtstorregel gegeben, hätte es die Rekord-Serie der Madrilenen mit fünf Meistercup-Siegen in Folge nie gegeben.

Nicht nur damit war der Kettenraucher Happel ein Botschafter von Österreichs Fußball in der Welt. Ein schlechtes Wort hat der "Wödmasta" nie über sein Heimatland verloren. "Besser machen", entgegnete er stets den Kritikern - ein Leitspruch aktueller denn je.(APA)

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    Trainer-Ikone Ernst Happel.

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