OECD rät EZB von Zinserhöhung ab

29. November 2005, 18:30
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Wörgötter: "Wäre keine gute Idee" - Konjunkturaufschwung soll erst "fest verankert" werden

Paris - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist derzeit gegen die angekündigte Erhöhung der Leitzinsen in der Eurozone.

Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) sollten die Zinsen nicht anheben, solange der Konjunkturaufschwung nicht "fest verankert" sei, heißt es in dem halbjährlichen Wirtschaftsausblick, den die OECD am Dienstag vorlegte.

"Keine gute Idee"

Die OECD-Experten rechneten in ihrem Ausblick auf die Jahre 2006 und 2007 einen Zinsschritt in der Eurozone erst für Ende 2006 ein. Ein Zinsschritt der EZB sei derzeit "keine gute Idee", sagte OECD-Experte Andreas Wörgötter mit Verweis auf die Konjunktur.

Zugleich relativierte der aus Österreich stammende Experte die Auswirkungen einer möglichen Zinsänderung: Auch bei der allgemein erwarteten Anhebung des maßgeblichen EZB-Satzes um 0,25 Punkte auf 2,25 Prozent gebe es "nach wie vor niedrige Zinsen", betonte er.

Durch einen derartigen Schritt werde die Weltkonjunktur nicht "abgewürgt". Zudem sei klar, dass eine Zinserhöhung "irgendwann kommen" müsse.

Erhöhung für Donnerstag erwartet

Die EZB dürfte am Donnerstag erstmals seit fünf Jahren ihren wesentlichen Leitzins erhöhen, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet überraschend angedeutet hatte. Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, der auch Chef der Eurogruppe ist, hatte dem Pariser "Figaro" gesagt, ein solcher Schritt sei "nicht unbedingt zwingend".

"Wir beobachten kein Wiedererstarken der Inflation und auch keine Zweitrundenreffekte", argumentierte Juncker: Die Lohnrunden seien eher bescheiden und die Gehälter würden von den hohen Ölpreisen nicht beeinflusst. Diese Argumente führten auch die Experten der OECD an. Die Organisation mit Sitz in Paris umfasst 30 Industrie- und Schwellenstaaten. (APA)

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