Europäerinnen werden immer später Mütter

29. November 2005, 13:07
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Kontinuierlicher Trend seit Jahrzehnten: Österreichs Erstgebärende mit 27 Jahren im EU-Mittelfeld - mit Grafik

Wien - Frauen lassen sich europaweit mit dem Kinderkriegen immer mehr Zeit. In Österreich ist die - wie Demographen es ausdrücken - durchschnittliche Erstgebärende 27 Jahre alt, was im europäischen Vergleich Mittelfeld bedeutet. Über Ursachen und Konsequenzen beraten WissenschafterInnen vom 1. bis 3. Dezember bei einem vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien organisierten Symposium mit dem Titel "Postponement of Childbearing in Europe".

Steter Trend

Das Durchschnittsalter der erstgebärenden Frauen steigt seit Jahrzehnten praktisch kontinuierlich an. 1984 lag der Wert in Österreich noch bei 24,1, erreichte 1992 dann 25 Jahre. Im Anschluss verlief die Entwicklung noch rasanter, 26 Jahre wurden 1997 erreicht und im Vorjahr dann 27 Jahre.

Jüngste Mütter in Tschechien

Spitzenreiter in Europa ist Spanien. Hier waren die Frauen zum Zeitpunkt der ersten Geburt 1984 durchschnittlich 25,6 Jahre alt, 2002 dann bereits 29,2 Jahre. Eine ähnliche Entwicklung zeigt Schweden mit 26 Jahren (1984) und 28,5 (2003). Die jüngsten Mütter hat dagegen derzeit die Tschechische Republik mit 25,9 Jahren (2003), ausgehend von 22,3 im Jahr 1984. In Ungarn sind die Erstgebärenden nicht viel älter, 22,4 Jahre (1984) bzw. 26,1 Jahre (2003).

Gründe

Die Hauptursachen für diese Entwicklung liegen für Dimiter Philipov vom Institut für Demographie auf der Hand. "Je höher die Bildung, desto älter sind Frauen durchschnittlich bei der ersten Geburt", so der Wissenschafter. Ausbildung und möglicherweise Studium zögern einerseits das Alter hinaus. Wenn die Frauen dann im Beruf stehen, warten sie wiederum einige Jahre, um gut etabliert zu sein, bevor sie sich auf Baby-Pause begeben.

Doppelbelastung

Die Berufstätigkeit von Frauen ist laut Philipov nicht immer unproblematisch. Gerade in Österreich seien viele Familien immer noch in alten Traditionen verhaftet. So müssten viele Frauen einem Beruf nachgehen, trotzdem aber die Hauptlast der Arbeit im Haushalt erledigen. Dies trage dazu bei, dass sie zunehmend unter Druck stehen und kaum mehr Zeit für andere Dinge haben. Beispielsweise in Schweden habe sich die Teilung der Hausarbeit bereits deutlich stärker durchgesetzt, berichtete der Forscher. (APA)

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    Je höher die Bildung, desto älter sind Frauen durchschnittlich bei der ersten Geburt, so Dimiter Philipov vom Institut für Demographie.
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    Durchschnittsalter von Frauen bei der Geburt des ersten Kindes 1984 und 2002-2004 im Ländervergleich.
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