Journalistische Spurensuche im weiblichen Alltagsleben

29. November 2005, 11:02
posten

Reportagen von StudentInnen der Klagenfurter Universität über "starke Frauen in Kärnten" liegen in Buchform vor

Klagenfurt - Rauchfangkehrerinnen, die erste Gendarmeriebeamtin Kärntens sowie eine Straftäterin, die wegen bewaffneten Raubes eine Haftstrafe verbüßt, kommen in einer nun erschienenen Reportagensammlung des Drava-Verlages zu Wort. In "Starke Frauen in Kärnten" haben 15 Studentinnen und ein Student der Universität Klagenfurt jene Bevölkerungsgruppe porträtiert, die nach Meinung der Herausgeberin Brigitta Huhnke im Journalismus nach wie vor zu wenig beachtet wird.

Kritik an Medienszene

Einen Verlust an "journalistischem Gespür für Sorgen, Nöte aber auch Leistungen und Wünsche der Region" attestiert Huhnke - selbst Journalistin und freie Sozialwissenschafterin - im Vorwort der heimischen Medienszene. Diesen Missstand zu bekämpfen hat sie mit zwei Seminaren an der Klagenfurter Universität gesucht, deren Themen starke weibliche Persönlichkeiten und das Alltagsleben Kärntner Frauen waren. An die StudentInnen erging der Auftrag, jeweils in einer Reportage sich dieser Herausforderung zu stellen - das Ergebnis liegt nun in Buchform vor.

Breite Palette

So spannt sich der Bogen von weiblichen Karrieren in der Politik ("Exotinnen - Bürgermeisterinnen in Kärnten" von Manuela Granig, "Hoher patriarchalischer Reinheitsgehalt - Politikerinnen im Kärntner Landtag" von Gudrun Krameter) über Heldinnen des Alltags ("Die Unsichtbaren - Reinigungsfrauen in Kärnten" von Christiane Webernig) bis hin zu dunkleren Kapiteln, wie jenes über einen weiblichen Häftling in "Sie hielt die Waffe in der Hand und weinte - Zahl der Straftäterinnen steigt" von Manuela Kalser. Sprachliche Brücke ist der Stil der Reportage, in dem sich die meisten der AutorInnen zum ersten Mal versucht haben.

Die Texte pendeln immer wieder zwischen der Gefühlswelt der Betroffenen und statistischem Hintergrund hin und her. So erfährt man etwa im Kapitel "Die Gynäkologinnen - Wenn der Arztbesuch zum Luxus wird" von Cynthia Pesjak, dass auf eine Frauenärztin in Kärnten gleich drei männliche Kollegen kommen. Wenn eine Landwirtin Einblick in die Härten ihres Berufalltages gibt ("Wohin wird das alles nur führen? - Bäuerinnen im Wandel der Zeiten" von Monika Glawar), wird ebenfalls nicht verschwiegen, dass diese Verschmelzung von Lebens- und Berufsform eine vom Aussterben bedrohte ist.

Lediglich ein Mann konnte sich in den Sammelband einbringen, Valentin Unterkircher spürte eine Frau in einer männerdominierten Institution auf. Thema der Arbeit: "Die erste Frau in der Gendarmerie - Ines Zwatz lehrt Kriminelle seit 1984 das Fürchten". (APA)

Brigitta Huhnke (Hg.)
"Starke Frauen in Kärnten - Eine journalistische Spurensuche"

Verlag Drava, 96 Seiten
ISBN 3-85435-452-5, 7,50 Euro
Share if you care.