Zukunft weiter ungewiss

5. Dezember 2005, 19:30
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Spitzengespräch zwischen Unilever-Konzern, Siemens/VA-Tech und Immorent-Konsortium ergebnislos - Streitpunkt ist Patronatserklärung der Unilever

Wien - Die Zukunft des Pleite gegangenen Austria Frost-Werks im niederösterreichischen Marchfeld ist nach einem Spitzengespräch am Montag weiter ungewissen. Stundenlange Verhandlungen zwischen den Managern des niederländischen Unilever-Konzernes, dem Siemens/VA-Tech- und Immorent-Konsortium und den interessierten Käufern hätten erneut keinen Durchbruch gebracht, erklärte Masseverwalter Christof Stapf am Dienstag. Nach Meinung von Siemens und Immorent liegt der Ball jetzt bei Unilever.

Entgegenkommen

Immorent-Chef Peter Tichatschek betonte am Dienstag im Gespräch mit der APA, dass das Konsortium dem Masseverwalter und künftigen Bietern noch einmal entgegen gekommen sei. Statt ursprünglich 14 bis 18 Mio. Euro verlangt man im Falle einer Komplettübernahme des Werkes samt Grundstück nur noch 10 Mio. Euro, wobei dann dem Vernehmen nach nur ein Teil des Grundstücks abgegeben werden soll. Wenn auch noch der frühere Eigentümer und jetzige Hauptabnehmer Unilever, wie zugesagt, einen Zuschuss gewähre, würden die Übernahmekosten auf unter 8 Mio. Euro sinken, so Tichatschek.

Umgelegt auf einen monatlichen Mietpreis liegen die Kosten laut Siemens-Konzernsprecher Karl Strasser damit mittlerweile bei nur noch einem Euro pro Quadratmeter. Außerdem werde auch die VA Tech gänzlich auf bestehende Energie- und Kühllieferverträge verzichten, die der Masseverwalter zuletzt als überteuert bezeichnet hatte. "Wir haben damit alles getan, damit das Werk fortgeführt werden kann", sagte Strasser zur APA.

Patronatserklärung

Streitpunkt ist laut dem Siemens-Sprecher nun vielmehr eine Patronatserklärung, die der frühere Eigentümer Unilever nicht mehr einhalten wolle. Dem Vernehmen nach soll Unilever zum Schluss der gestrigen Verhandlungen angedeutet haben, dem Kompromiss nur zustimmen zu wollen, wenn VA Tech und Immorent eine bereits eingebrachte Klage gegen den Konzern zurückziehen. Die beiden Unternehmen berufen sich in der Klage darauf, dass Unilever laut der Erklärung bisher nicht bezahlte Investitionen in Höhe von rund 8 Mio. Euro zahlen müsse. "Unilever hat sich klar zur Finanzierung der Verbindlichkeiten verpflichtet, will das aber jetzt nicht anerkennen", so Strasser.

Der Masseverwalter wollte sich am Dienstag zu den Details nicht äußern. Zwar habe es bei den Gesprächen Fortschritte gegeben, aber letztlich doch keine Einigung. "Wenn es keine Einigung zwischen den Liegenschaftseigentümern VA Tech, Immorent sowie den interessierten Bietern gibt, wird es keine Fortführung der Produktion im Marchfeld geben", betont der Masseverwalter. Der Großteil der 320 Mitarbeiter könne dann nicht weiter beschäftigt werden. Auch die Lieferverträge mit den rund 300 Landwirten könnten in diesem Fall nicht mehr aufrecht erhalten werden. Nach Schätzung des AMS wären dadurch zumindest 500 Bauern und Erntehelfer betroffen.

Weitere Gespräche vereinbart

Wie berichtet haben die Neo-Siemens-Tochter VA Tech und die Sparkassen-Immobilientochter Immorent 1999 als Konsortium vom damaligen Eigentümer Unilever die Liegenschaft und Anlagen des Werkes übernommen. Aus dem Werk, das seit 2001 von der Austria Frost, einer Tochter der Vorarlberger 11er-Gruppe, betrieben wurde, kommen derzeit noch rund 80 Prozent des Tiefkühlgemüses in die heimischen Supermarktregale.

Weitere Gespräche mit einzelnen Akteuren sind laut Masseverwalter vereinbart worden. Bis zur Gläubigerversammlung am 7. Dezember soll eine grundsätzliche Entscheidung fallen. (APA)

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