Prozess um Polizeiboot-Unglück: Drei Monate bedingt

30. November 2005, 09:20
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Richterin: Sorgfaltspflicht grob vernachlässigt - Verteidigung meldete Berufung an

Am 16. Juni dieses Jahres ist auf der Donau Höhe Fischamend (Bezirk Wien-Umgebung) ein heimisches Polizeiboot mit einem slowakischen Schubverband kollidiert. Ein Polizist verstarb bei diesem Unfall, sein geretteter Kollege musste sich Dienstag wegen fahrlässiger Tötung vor dem Bezirksgericht in Schwechat verantworten und wurde zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Verteidigung meldete Berufung an.

Richterin Angelika Eisenreich-Graf befand den Angeklagten schuldig, die Sorgfaltspflicht grob vernachlässigt und die nautischen Gegebenheiten falsch eingeschätzt zu haben. Darüber hinaus hätte der Angeklagte den slowakischen Schubverband früher erkennen müssen, so die Richterin in der Urteilsbegründung.

Ein Toter

Die Kollision hatte sich gegen 22.30 Uhr ereignet. Die Alarmierung erfolgte laut NÖ Landesfeuerwehrverband um 22.52 Uhr, die Feuerwehr Fischamend nahm um 23.09 Uhr die Suche nach dem Polizeiboot auf. Fünf Minuten später wurden die Einsatzkräfte fündig: Ein Polizist hatte sich am Seil festgeklammert und konnte gerettet werden. Der heute Angeklagte wurde mit einer Brustkorbprellung, einer Gehirnerschütterung sowie einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert.

Nach dem vermissten Wiener Polizisten suchten die Einsatzkräfte, 144 Feuerwehrleute und 55 Exekutivbeamte zunächst erfolglos. Erst einen Tag später wurde der Mann zwei Kilometer unterhalb der Unfallstelle tot aufgefunden. (APA)

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