Jugendliche auf dem Schuldenkarussell

6. Juni 2006, 11:11
posten

Vorarlberg gibt Jungschuldnern Nachhilfe - Laut einer Studie der Arbeiterkammer tappt jeder vierte 17- bis 23-jährige Vorarlberger in die Schuldenfalle

Bregenz - "Kontoüberzug ist die Einstiegsdroge aufs Schuldenkarussell", weiß Peter Kopf, Geschäftsführer der IfS-Schuldenberatung Vorarlberg. Die erschreckende Zunahme der Jugendverschuldung war Anlass für die Entwicklung eines Finanzführerscheins - ein Projekt, das Jugendliche "fit fürs Geld" machen soll.

Betroffen ist jeder vierte Jugendliche

Das Konzept wurde von IfS in Zusammenarbeit mit dem Jugendinfozentrum "aha" entwickelt und am Freitag im Landhaus Bregenz präsentiert. "Jeder vierte 17- bis 23-jährige Vorarlberger tappt in die bedrohliche Schuldenfalle", zitiert Kopf eine brandneue Studie der Arbeiterkammer. Vor acht Jahren war es noch jeder Fünfte. Geschlechtsspezifisch sind es bei Frauen 4500 €, bei jungen Männern handelt es sich sogar um das Doppelte. "Hier ist Vorarlberg bundesweit leider in guter Gesellschaft", fügt Kopf hinzu.

Gefahr wird zu spät erkannt

"Viel zu spät erkennt man die drohende Gefahr", erzählt Barbara Volek aus eigener Erfahrung. Auch die 19-Jährige steckt tief in der Schuldenfalle. Kostspielige Verlockungen der modernen Konsumgesellschaft, Markenwahn, unbezahlbare Handyrechnungen und Versandhausbestellungen wurden ihr zum Verhängnis. "Kinder brauchen Vorbilder, wenn es ums Geld geht", schiebt sie die Verantwortung auf ihre Eltern.

Finanzführerschein soll helfen

Der Finanzführerschein versucht diesen offensichtlichen Missstand auszugleichen. "In drei Phasen wird in speziellen Lernmodulen die Sensibilität im Umgang mit Geld und Konsum gesteigert", erklärt Kopf die Idee der praxisnahen Workshops. Das frühe Geldausborgen im Bekanntenkreis wird für viele ein fixer Bestandteil im eigenen Finanzhaushalt und damit ein Teufelskreis der roten Zahlen am Konto. Für Wirtschaftskammer-Direktor Peter Kircher ist "das Wissen um den richtigen Umgang mit Geld ein wesentlicher Teil der Allgemeinbildung". Der Finanzführerschein sei eine wichtige Basis, "schließlich profitiert die Wirtschaft von künftig mündigen Partnern", meint Kircher in einer APA-Aussendung.

"Zufriedene Kunden"

Auch Banken setzen auf die finanzbewusste Jugend: "Wir wollen langfristig zufriedene Kunden, keine Jungverschuldeten", schließt sich Tiemon Kiesenhofer, Pressesprecher der Bank Austria, im Gespräch mit dem SCHÜLERSTANDARD an.

Tatsache ist, dass der Jugendanteil in der Schuldenberatungsstelle Vorarlberg in den letzten acht Jahren von sechs auf 15 Prozent dramatisch angestiegen ist. Zahlen, die die langfristige Wichtigkeit solcher Präventionsprojekte rot unterstreicht. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2005)

Von Alexander Müller und Nina Palmstorfer

Links

www.ifs.at

www.aha.or.at

Share if you care.