Bisherige Bahnreform für ÖBB-Chef nur erster Wurf

8. Dezember 2005, 18:05
10 Postings

Mit der ÖBB-Reform im Jahr 2003 "ist nicht alles erledigt", so Holding-Vorstand Huber - Heuer scheiden 1.000 ÖBBler mit "Golden Handshake" aus

Wien - Mit der ÖBB-Reform im Jahr 2003 "ist nicht alles erledigt". "Das kann nur ein erster Wurf gewesen sein. Wir werden weitere Verbesserungsvorschläge machen", erklärte ÖBB-Chef Martin Huber beim RZB-Business-Lounge am Montag vor rund 200 Managern. Konkrete Pläne nannte er nicht. Zuletzt gab es Kritik an der Trennung in die ÖBB-Bereiche Infrastruktur und Bau. War es früher so, dass die Bundesbahnen Bauaufträge intern vergaben, müssen sie nun vom Bereich Infrastruktur ausgeschrieben werden. Was wiederum den Bausektor um einige Aufträge brachte.

Huber hielt fest, dass der Infrastrukurneubau Aufgabe des Staates sei. Dieser Bereich könne nicht durch die ÖBB getragen werden. Was anderes seien Betrieb und Erhaltung, wo es das Ziel sein müsse, diese aus Eigenmitteln zu tragen. "Das darf man nicht vermischen", so Huber. Die für heuer von den ÖBB geplanten 1,6 Mrd. Euro für den Rahmenplan zum Netzausbau wird es von Seiten des Finanzministeriums nicht geben. Die Verhandlungen dazu laufen aber noch. Ausgemacht sei grundsätzlich, dass über einen Zeitraum von sechs Jahren jährlich durchschnittlich 1,2 Mrd. Euro fließen.

Wohin, sprich in welche Projekte, sei letztendlich Entscheidung der Politik. "Wer zahlt, schafft an", so Huber. Seine Prioritäten sind der Ausbau der Westbahn, der Strecke Wien-Bratislava und die Doppelgleisigkeit der Pottendorfer Linie. Zu den geplanten Immobilienverkäufern meinte Huber, diese würden in den nächsten Jahren rund 50 Mio. Euro an Verkaufserlösen bringen. Die ÖBB habe eine Immobilien-Gesamtvermögen von 200 Mio. Quadratmetern, 10 Mio. davon seien nicht betriebsnotwendig.

ÖBB-Dienstrecht

Zum Streit um eine Änderung des ÖBB-Dienstrechtes gab sich der ehemalige Baumanager wortkarg. Er habe mit dem Chef der Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, Stillschweigen vereinbart. Er kritisierte jedoch, dass um das Thema "viel Wind" gemacht werde, da der überwiegende Teil des geplanten Personalabbaues von rund 10.000 Mitarbeitern bis 2010 ohnehin über natürlichen Abgang geschehe. So liege man etwa bei den beamteten Mitarbeitern mit den "Golden Handshakes" - sprich dem freiwilligen Abschied von Mitarbeitern dank großzügiger Geldbeträge - voll im Plan. Bis Jahresende sollen 1.000 ÖBBler so das Unternehmen verlassen.

Huber betonte, dass es bei möglichen Einsparungen im Personalbereich nicht automatisch um einen Abbau gehen müsse. "Es geht um ein Paket", sagte er und nannte als Beispiel für einen Handlungsbedarf Tagesdiäten ab zwei Kilometer Entfernung. "Wenn ein Mitarbeiter vom Praterstern zu mir am Wienerberg kommt, fallen Tagesdiäten an", so der Bahnboss kopfschüttelnd. (APA)

Share if you care.