Voest: Nicht-Stahl-Bereich gewinnt an Bedeutung

8. Dezember 2005, 17:42
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Konzernchef Eder: Kein großer Druck auf Dividendenerhöhung

New York - Der börsenotierte Stahlkonzern voestalpine will seine Aktivitäten außerhalb der eigentlichen Stahlproduktion verstärken. Das jetzige 50:50-Verhältnis von Stahl und Nichtstahl soll sich in den nächsten drei Jahren verschieben in Richtung 40 Prozent Stahl und 60 Prozent Verarbeitung, sagte Konzernchef Wolfgang Eder bei einer Investorenkonferenz mit österreichischen Emittenten in New York.

"Die Verarbeitung wird strategisch wichtiger", sagte Eder bei der Veranstaltung von Wiener Börse und Erste Bank, in deren Rahmen ein gutes Dutzend heimischer Unternehmen Einzelgespräche mit (potenziellen) Investoren in den USA führten.

Eder bekräftigte vor Journalisten die erst kürzlich angehobene Gewinnprognose für die Geschäftsperiode 2005/06 (per 31. März). Geplant sei ein operativer Erfolg (Ebit) von mehr als 600 Mio. Euro. Auf Grund der volatilen Rohstoffkosten und der Wechselkursschwankungen sei eine konkreter Ausblick derzeit aber schwierig. Schwankungen allein bei den Rohstoffkosten in der Größenordnung 40 bis 50 Mio. Euro in einem Quartal seien möglich.

Eine höhere Dividende sei "nicht vorrangig", so Eder: "Es gibt Aktionäre, die uns Kapital zur Verfügung stellen in der Erwartung, dass es dadurch höher verzinst angelegt wird." Eder sieht "keinen großen Druck", die Dividende zu erhöhen.

Flexibel aufgestellt

Wachstum allein im industriellen Bereich sei in Europa mittlerweile unrealistisch, meint Eder, der sein Unternehmen auf Grund der im internationalen Vergleich noch geringen Größe sehr flexibel aufgestellt sieht.

Wichtig seien konkurrenzfähige Rahmenbedingungen: "Europa darf sich nicht schlechter stellen als die Hauptkonkurrenten" etwa in Fernost, in Russland oder der Ukraine. Im Zweifelsfall sei es besser, Leute mit neuen Aktivitäten zu beschäftigen, als sie abzubauen.

Am Kapitalmarkt tritt Eder für mehr Streubesitz ein. "Österreich muss es schaffen, wie Skandinavien den Staat durch starke nationale Fonds zu ersetzen." Diese sollten dann "aus Eigeninteresse" dafür sorgen, dass unfreundliche Übernahmen ans Ausland unmöglich sind.

Trotz der geplanten Zukäufe - allein bis Sommer 2006 will Eder bis zu 300 Mio. Euro Umsatzvolumen kaufen - werde die Voestalpine den Kapitalmarkt in den nächsten 24 Monaten "mit Sicherheit nicht mehr beanspruchen". (APA)

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