Entführer stellen Ultimatum

30. November 2005, 19:05
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Erstmals wurde mit der Archäologin Susanne Osthoff eine Deutsche im Irak entführt - Berlin setzt auf "kluge Diplomatie" - Hinweis auf überwiegend politische Motive

Berlin (APA/AP/dpa) - Der Vorsitzende der Unionsfraktion im deutschen Bundestag, Volker Kauder, setzt auf eine "kluge Diplomatie" als Voraussetzung für eine friedliche Lösung des Entführungsfalls im Irak. "In dieser schwierigen Lage braucht man gute Freunde, die einem helfen", sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in einem ARD-Interview. Er unterstützte zugleich die Haltung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der die Bundesrepublik Deutschland für nicht erpressbar erklärt hatte. Zwar müsse alles versucht werden, die deutsche Archäologin Susanne Osthoff frei zu bekommen, betonte Kauder. Aber dies könne nicht nach dem Motto geschehen, dass alles erfüllt werde, was die Kidnapper verlangten.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass die 43-jährige Osthoff und ihr Fahrer seit Freitag in der Gewalt unbekannter Täter sind. In einem Video stellten die Täter ein Ultimatum und forderten Deutschland auf, die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung einzustellen. Andernfalls würden die Geiseln getötet. Es ist die erste Entführung eines deutschen Staatsbürgers im Irak. Nach Angaben eines hochrangigen Sicherheitsbeamten spreche im Moment mehr für eine politisch motivierte Entführung, berichtete die "Berliner Zeitung" am Mittwoch. Eine Aktion mit reinem kriminellen Hintergrund zur Erpressung von Lösegeld erscheine eher unwahrscheinlich. Der Beamte habe auch angegeben, die politischen Forderungen seien weit detaillierter als bisher in der Öffentlichkeit bekannt. Die Behörden seien nach Angaben des Sicherheitsbeamten auch zu dem Schluss gekommen, die Entführung der Archäologin sei nicht kurzfristig entschieden, sondern gründlich vorbereitet worden.

Die ersten Tage nach einer Entführung im Irak entscheiden nach den Worten der französischen Ex-Geisel George Malbrunot über das Schicksal des Verschleppten. "In den ersten Stunden nach der Entführung entscheiden die Entführer, was mit der Geisel geschehen soll", sagte der Journalist am Mittwoch der ARD. Wichtig sei, dass die Entführer sähen, dass sie eine Regierung vor sich haben, die mit ihnen verhandle. "Dann kann man einen Kanal finden, über den ein Kontakt zu Stande kommt." Für den Fall der entführten Deutschen Susanne Osthoff sei er zuversichtlich. Deutschland sei militärisch im Irak nicht engagiert, die Ausbildungshilfe sei eher eine "Randerscheinung". "Auf den ersten Blick müsste es Möglichkeiten geben, sich zu verständigen", sagte Malbrunot. Allerdings müsse gesehen werden, dass die Entführer oft "paranoid" seien. Der Journalist war zusammen mit seinem Kollegen Christian Chesnot im August 2004 von islamistischen Extremisten entführt worden. Nach vier Monaten Geiselhaft wurden sie freigelassen. (APA)

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    Die ARD-Tagesschau veröffentlichte ein Foto aus der Videoaufnahme, das die Geiselnehmer und ihre Opfer zeigen soll.

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    Susanne Osthoffs Mutter mit einem Zeitungsausschnitt über ihre Tochter.

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    Susanne Osthoff

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