Mit Füller und Fleiß zur Förderung

14. März 2006, 12:15
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Vielfältig sind die Beihilfen, die Unis, Stiftungen und Stipendienstelle vergeben. Leistung wird honoriert und Einsatz gefördert

Wien/Graz/Salzburg - Satte 1126 € hat ein Student monatlich aufzubringen, errechnet Georg Hubmann, Sozialreferent der Bundes-ÖH. Die Zahl ergibt sich aus dem jüngsten Sozialbericht zur Lage der Studierenden (2001), angeglichen auf den Verbraucherpreisindex von Oktober 2005. Um das zu decken, müssen 74 Prozent der Studenten arbeiten. "Bereits vor den Studiengebühren gab mehr als die Hälfte der Studenten an, finanzielle Probleme zu haben", sagt Hubmann. "Die Zahl hat sich stark erhöht."

Darin sind Wohnkosten monatlich mit 231 € beziffert, Nahrung mit 167 €, Kleidung mit 54 €, Telefon und Internet verschlingen 51 €, Lehrmittel 34 € und das Freizeitvergnügen 66 €. Anteilig aufgerechnet mit "großen" Ausgaben wie PC, Exkursionen und Möbel ergibt sich die Zahl von 1126 €. Problematisch sieht Hubmann, "dass die Studienbeihilfe seit 1999 nicht erhöht wurde". Die Empfängerzahl hingegen wächst und kletterte 2004 auf 47.020. Wegen geringem Studienerfolg wurden 2382 zurückgefordert.

"Unfaire" Verteilung

"Meine Eltern verdienen zu viel", klagt Miriam Leitner (21), die sich seit Jahren um ein Stipendium bemüht. Ihre geschiedenen Eltern sind berufstätig und ihr Vater hat zudem noch ein Kind, das schulpflichtig ist. "Das wird gar nicht berücksichtigt", bedauert sie. Zudem sei sie für ihre Eltern eine "Riesenbelastung", da sie durch den neuen Medizinstudienplan neben dem Studium nicht arbeiten kann. Unfair findet Miriam vor allem, dass die "Mittelschicht komplett benachteiligt wird".

Abseits der Studienbeihilfe honorieren die einzelnen Universitäten "hervorragende" Studienleistungen mit dem Leistungsstipendium. Die Uni-Wien schüttet immerhin 1,5 Mio. € in diesen Topf und vergibt knappe 1370 im Jahr. Die Uni-Graz wendet 500.000 €auf, die Uni Salzburg 268.000 €, die Medizin-Uni Wien fast 200.000 €. Das Gros der Antragsteller sind Jus-Studenten. Die Kriterien variieren durch die Autonomie der Unis und der Fakultäten.

Hoch ist die Chance auf Förderstipendien, wenn mit der Abschlussarbeit (Diplom oder Dissertation) große Ausgaben verbunden sind. An der Uni Graz etwa wurden lediglich 10 Prozent der Anträge abgelehnt. Die Mittel werden nach Studentenzahl verteilt.

Eine San Francisco-Reise finanzierte sich Anglistik-Absolvent Georg Bauer mit dem Uni-Graz Förderstipendium von 2024 €. Dort wurde er für seine Diplomarbeit - "Varieties of Addiction. Prostitution in the Works of William T. Vollmann" vom Autor "großzügig" für ein achtstündiges Gespräch über sein Werk, als erster Student, empfangen. Theoretisch können Förderstipendien bei Überschreitung des Zeitplans zurückgefordert werden. "Das haben wir noch nie gemacht", sagt Thomas Steinmaurer, Uni Salzburg.

Die Musik-Uni Wien (MUW) vergibt Sachpreise - etwa Konzertflügel - in Wettbewerben. Bei Auslandsstudien entfallen die Studiengebühren der Gast-Uni. Teuerster Partner der MUW ist die Universität in Rochester im Bundesstaat New York mit 25.000 Dollar im Semester.

Verdoppelt hat sich die Zahl der Stiftungsstipendien an der TU Wien (von 33 auf 60). Diese sind mit je 1000 € dotiert.

Für Studenten in Notlage bietet die ÖH aus ihren Fonds eine Überbrückungshilfe. (DER UNI-STANDARD, Printausgabe)

Von Jan Marot

  • Nicht immer ist der Griff zu den Stipendiengeldern einfach, egal ob sie von der Studienbeihilfe oder aus den Uni-Töpfen stammen. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
    foto: epa/rungroj yongrit

    Nicht immer ist der Griff zu den Stipendiengeldern einfach, egal ob sie von der Studienbeihilfe oder aus den Uni-Töpfen stammen. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

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