"So was stärkt uns natürlich den Rücken"

21. Juli 2006, 16:14
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"Ohne Gentechnik" verkauft sich gut

Die Lebensmittelhersteller, die sich einer Ware ohne Gentechnik verschrieben haben, sehen sich durch die Nachfrage bestärkt. "Es gibt überall in Europa eine Käuferschicht, die zu ,Gentechnikfrei' greift", sagt Karl Fischer vom Linzer Lebensmittelgroßhändler VOG zum Schweizer Referendum:. "So was stärkt uns natürlich den Rücken."

Die VOG stellt seit rund zehn Jahren gentechnikfreies Speiseöl aus Raps namens Rapso her und exportiert drei Viertel der Ware. Bewerkstelligt wird dies mit 2500 österreichischen Vertragsbauern, die ausschließlich fünf geprüfte Rapssorten aussäen.

Eine Koexistenz, also ein Nebeneinander von gentechnisch veränderter und gentechnikfreier Aussaat (wie von der EU angestrebt), sei im Bereich Raps nicht möglich, betont Fischer: "Der Raps hat einen Pollenflug von 20, 30 Kilometer." Das kleinteilige Österreich müsse sich deshalb völlig einem gentechnikfreien Raps für Speiseöl verschreiben und eventuell an den Grenzen Schutzzonen einrichten, sollte es in Europa zum Anbau von gentechnisch verändertem Raps kommen.

Billiger Biodiesel Bei Rapsanbau für Treibstoff (Biodiesel) würde es nämlich sonst leicht zu Vermischungen kommen. "Bei Diesel aus Raps muss man billig sein. Da wird Gentechnik zum Zug kommen", sagt Vogel, der meint, dass Österreich in diese Produktion erst gar nicht einsteigen sollte. Die in Bau befindliche Biodieselanlage in Enns, die fertiges Rapsöl zu Biodiesel umformen wird, werde das Öl in erster Linie importieren, hofft Vogel.

Umgestellt auf Gentechnik-freie Ware haben seit etwa Sommer auch die Molkereien NÖN und Kärntnermilch. Der steirische Fleischverarbeiter Schirnhofer füttert seit Sommer Gentechnikfrei, sodass das Rindfleisch ab Frühjahr nächsten Jahres auch so ausgelobt werden darf; Schweinefleisch soll folgen. Die Handelsketten Rewe (Billa, Merkur) und Spar stellten die Vertragsbauern-Produktion von Freiland- und Bodenhaltungseiern auf Futter ohne Gentech-Soja um, wobei da immer ein Vermischungsgrad von unter 0,9 Prozent als Gentechnik-frei bezeichnet wird.

Das Angebot werde "sehr positiv" angenommen, sagt der zuständige Vorstand der NÖM, Alfred Berger. Ausschlaggebend dürfte sein, dass die Gentechnik-freie Frisch-und Schokomilch derzeit nicht teurer ist als die Konkurrenz. Die Mehrkosten - 1,5 bis drei Cent je Liter - teilen sich in der Pilotphase Handel und Molkerei. Längerfristig, hofft man, dass die höheren Kosten durch mehr Absatz wettgemacht werden. Eine Verbreiterung der Produktpalette - etwa hin zu GVO-freien Joghurts, ist nicht geplant. Wegen der zusätzlichen Produktbestandteile - etwa Obst - wäre dies ein "riesiger Aufwand." (DER STANDARD-Printausgabe 29.11.2005)

Johanna Ruzicka
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