Interview: Didi Constantini

28. November 2005, 22:16
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"Die waren kuschelweich" - Constantini war die Ausnahme bei der Austria. Er durfte seinen Vertrag von Dezember 2001 bis Mai 2002 erfüllen. Trotz Frank Stronach. Christian Hackl fragte nach.

Standard: Gratulation im Nachhinein. Sie waren der einzige Austria-Trainer in der Ära Stronach, der nicht gefeuert wurde.
Constantini: Danke. Es war ein Sonderfall. Walter Schachner hatte einen Vertrag unterschrieben, er durfte noch nicht weg vom FC Kärnten. Also überbrückte ich die Zeit. Die Mannschaft war Sechster, wurde Vierter, das reichte für den UEFA-Cup. Sie holte im Frühjahr die meisten Punkte, in einer Constantini-Tabelle, die es nicht gibt, wären wir Meister geworden. Irritierend war, dass alle Daten Schachner mitgeteilt wurden. Ich habe gesagt, stellt das ab. Oder wollt ihr, dass Kärnten vor der Austria ankommt? Schachner hat dann nix mehr erfahren.


STANDARD: Wie empfanden Sie damals die Stimmung im Verein? Als intrigant?
Constantini: Als sehr gut. Ich hatte den Eindruck, dass bei der Austria hochprofessionell gearbeitet wird. Ohne überheblich zu sein, vielleicht lag es auch an mir. Meine Ruhe und Lockerheit übertrugen sich auf die Mannschaft. Die war wirklich kuschelweich.



STANDARD: Ihr persönlicher Eindruck von Frank Stronach?
Constantini: Wir hatten wenig miteinander zu tun, vielleicht hat er gar nicht gewusst, dass ich den Job mache. Gab es Begegnungen, waren die von Respekt getragen.


STANDARD: Können Sie seinen Rückzug nachvollziehen?
Constantini: Sein Ausstieg war die erste Entscheidung, die absolut logisch war. Stronach war gar nicht so ungeduldig. Er war zu leichtgläubig. Was mich bei einem Multimilliardär überrascht. Manche drehten sich wie das Fähnchen im Wind. Da denke ich auch an seine Funktion als Ligapräsident. Der Hannes Kartnig war erst Kritiker, dann Freund.


STANDARD: Hat Stronach dem österreichischen Fußball eher genützt oder geschadet?
Constantini: International stehen wir dort, wo wir davor waren. Bleibend ist die Nachwuchsakademie. Es wäre vernünftiger gewesen, in jedem Bundesland eine zu finanzieren. Er hat vielen Vereinen Geld gegeben. Dass es die meisten Präsidenten dazu benutzt haben, um die Löcher ihrer eigenen Unzulänglichkeiten zu stopfen, war schade.

ZUR PERSON
Der Tiroler Didi Constantini (50) betreute u. a. LASK, Admira, Tirol, die Austria und den FC Kärnten. Er betreibt
Fußball-Nachwuchscamps
(www.constantini.at).

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