Klimawandel und Launen der Natur

7. Dezember 2005, 16:19
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Umweltkonferenz in Montreal: Experten und Politiker beraten über die Zeit nach Kyoto

Rom/Berlin/Montreal - Rekord-Schneemengen in Deutschland, der Wasserstand des Tiber auf Rekordhöhe, der 25. Wirbelsturm der Saison im Anzug auf die Kanaren: Wetterereignisse, die von immer mehr Menschen als extrem erfahren werden, bilden den Hintergrund einer der größten Klimaschutzkonferenzen der UNO bisher, die am Montag in Montreal eröffnet wurde.

Bis zu 10.000 Teilnehmer haben sich für die Konferenz in Kanada angesagt. Bei dem Gipfel treffen einander Vertreter der 156 Kyoto-Staaten, der 189 Vertragsstaaten der UNO-Konvention zum globalen Klimawandel (UNFCCC) und natürlich NGOs. Österreich wird durch den Minister Josef Pröll (VP) vertreten sein.

Das Klimaschutzabkommen sieht eine Verringerung der Emissionen von sechs klimaschädigenden Gasen um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 vor und trat heuer im Februar in Kraft. Die EU versprach eine Reduktion um acht Prozent, schaffte nach jüngsten Daten aber vorerst nur 1,4 Prozent. Die Konferenz befasst sich bereits mit Maßnahmen ab dem Jahr 2012, in dem das Kyoto-Protokoll ausläuft. Pröll hält eine Einigung für die Zeit danach für eine "Illusion".

Die Rekord-Schneefälle am Wochenende in Teilen Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens waren nach Angaben des Kieler Klimaforschers Mojib Latif aber ohnehin eine seltene Laune der Natur - "gewöhnlich ziehen Tiefs schnell durch, dieses war ortsfest". Zehntausende Menschen auch am Montag noch ohne Strom, nachdem die Leitungen unter der Last des Schnees gebrochen waren.

Latif, Professor am Institut für Meereskunde der Uni Kiel: Es sei nicht zu erwarten, dass so etwas öfter vorkommt, die Winter würden immer wärmer werden. Ohne künftigen Klimaschutz "wird es wahrscheinlich im Jahr 2050 in Deutschland im Flachland keinen Schnee mehr geben."

Der Kohlendioxid-Ausstoß nehme zu und verändere das Weltklima, sagte Latif. 2005 sei ein Jahr der Wetterextreme gewesen. Noch nie habe es so viele Hurrikans gegeben. Die Vernichtungskraft der Wirbelstürme werde auf Grund der globalen Erwärmung noch weiter wachsen. Es sei davon auszugehen, dass solche extremen Wetterphänomene weiter zunehmen.

Aus Furcht vor dem tropischen Wirbelsturm "Delta" sind am Montag auf den Kanarischen Inseln alle Schulen geschlossen worden. "Delta" ist der 25. Sturm der diesjährigen Hurrikan-Saison. Vor sechs Wochen war erstmals ein tropischer Wirbelwind - "Vince" - nach Spanien und Portugal gelangt. Größere Schäden gab es nicht.

Alarmstufe Rot galt am Montag in Rom. Nach schweren Niederschlägen in der Toskana und in Umbrien stieg der Pegel auf eine Höhe von 14 Meter - das war seit einem halben Jahrhundert nicht mehr der Fall. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 11. 2005)

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