Wölfe bleiben unter Höchstschutz

6. Dezember 2005, 18:27
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Europarat weist Antrag der Schweiz zurück, den Schutz zu lockern - es leben dort ohnehin ganze drei Exemplare ...

Straßburg - Wölfe genießen in Europa auch weiterhin höchsten Schutz. Das entschied am Montag das für die Überwachung des Berner Artenschutzabkommens zuständige Komitee im Europarat. Die in Straßburg versammelten Experten wiesen damit einen Antrag der Schweiz zurück, die Schutzbestimmungen zu lockern.

In ihrer Ablehnung verwiesen fast alle anderen Unterzeichnerstaaten der Konvention darauf, dass es in der Schweiz nach Behördenangaben gerade einmal drei frei lebende Wölfe gibt, die vermutlich aus Italien eingewandert sind. Unter solchen Umständen eine Jagderlaubnis zu beantragen, sei "haarsträubend", kommentierte Alain Zecchine vom französischen Umweltschutzverband France Nature Environnement.

Größte Population in Spanien

Das 1979 abgeschlossene Artenschutzabkommen legt Schutzstandards für Tierarten fest, deren Überleben nicht gesichert ist. Derzeit ist der Wolf als "besonders gefährdet" eingestuft und genießt höchsten Schutz. Artikel neun lässt aber Ausnahmen zu: Demnach können Wölfe abgeschossen werden, wenn sie andere Tierarten gefährden. Von diesem Artikel machten immer mehr Länder Gebrauch, argumentierten die Schweizer. Daher sei der Schutz für Wölfe bereits gelockert.

Den mit Abstand größten Bestand an frei lebenden Wölfen - rund 2.000 Tiere - gibt es nach Angaben der Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) in Spanien. In Polen und den baltischen Ländern wird die Zahl der Vierbeiner auf mehrere hundert geschätzt. Auch in Mitteleuropa, wo er in den achtziger Jahren fast ausgerottet war, ist der Wolf seit etwa zehn Jahren wieder auf dem Vormarsch. In Deutschland siedelte sich im Jahr 2000 ein kleines Rudel in der Lausitz an. Es besteht heute aus etwa zehn Tieren. In Frankreich wanderten Mitte der neunziger Jahre Wölfe aus den italienischen Abruzzen ein; heute leben wieder knapp 60 frei in den Alpen. Steigende Bestände werden auch in Slowenien und Ungarn registriert.

Tierzüchter sehen ihre Interessen gefährdet

Was Tierschützer freut, ist anderen ein Dorn im Auge: In Frankreich etwa protestieren Schafzüchter und Landwirte seit Jahren gegen die Wölfe. Am Donnerstag zogen 40 erboste Züchter vor die Präfektur des Alpenstädtchens Chambery, wo sie tote und schwer verletzte Schafe deponierten. Nach ihrer Darstellung wurden die Tiere von Wölfen gerissen. Das Verwaltungsgericht Dresden wiederum wies jüngst den Antrag eines Jagdpächters zurück, der einen der Wölfe in der Lausitz abschießen wollte. Der 72-jährige Jäger machte geltend, die Wölfe verdrängten heimische Tierarten.

Finnland kündigte dieser Tage einen Gang vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg an. Die EU-Kommission wirft dem Land vor, mit regelmäßigen Abschussgenehmigungen für Wölfe gegen die EU-Richtlinie zum Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen zu verstoßen. Die Regierung in Helsinki weist dies zurück: Nach ihren Angaben hat sich die Zahl der Wölfe in Finnland seit 1998 auf heute rund 200 verdoppelt. Seit 1995 genehmigten die finnischen Behörden den Abschuss von 25 Wölfen.(APA)

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