Deutscher Hauptvertreter des Figurativen Expressionismus gestorben

28. November 2005, 17:31
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Maler und Kunstprofessor Dieter Krieg starb 68-jährig

Köln - Der Maler und Kunstprofessor Dieter Krieg, ein Hauptvertreter des Figurativen Expressionismus, ist tot. Er starb im Alter von 68 Jahren in seinem Atelier in Bergheim bei Köln, bestätigte am Montag sein Düsseldorfer Galerist Wolfgang Gmyrek. Krieg hatte an der Kunstakademie Karlsruhe beim Holzschneider HAP Grieshaber studiert. Von 1978 bis zu seiner Pensionierung unterrichtete er an der Kunstakademie in Düsseldorf und erwarb sich den Ruf eines erfolgreichen Lehrers. Er hatte Deutschland 1978 bei der Biennale in Venedig vertreten und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Krieg wurde am Samstag tot aufgefunden. Er hatte zurückgezogen in seinem Atelier gelebt, seit seine Frau vor einem Jahr gestorben war. Er war 1937 in Lindau am Bodensee geboren worden und in Baden-Baden aufgewachsen. Von 1958 bis 1962 studierte er in Karlsruhe.

Kriegs Bilder sind unverkennbar: In ihren heftigen Pinselstrichen verbinden sie malerische Expressivität mit der Banalität der Motive zu ungewöhnlicher Präsenz. In seinen oft großformatigen Werken scheint die Wucht der Motive seines Lehrers Grieshaber fortzuwirken.

Seit den 1970er Jahren verschrieb sich Krieg der Darstellung landläufiger Alltagsdinge und dem Kontrast der Materialien in einer stark gestischen Malweise, mit der er auch ein Erbe des Informel als Abstraktion der Nachkriegszeit war.

In "Ei" breitete er ein saftig gelbes Spiegelei auf einem Querformat von über vier Metern Breite aus, im "Vorhang" (1994) kontrastiert das gebauschte Textil mit der starren Aufhänge-Stange. Messer und Löffel, in ihrer Größe bis zur Absurdität gesteigert, sind auf seinen Leinwänden mit ihren Farbexplosionen ebenso zu finden wie riesige Fleischbrocken, die von Metallstücken und -haken durchbohrt werden. Sein Hauptinteresse, so erklärte der Künstler, gelte "dem Schock durch das "bedeutungslose" Objekt. Subjektiv gesehen ist das oft absurd."

Eine weitere Dimension seines Werkes waren Aktionen wie das Zerreißen von Bildern, dessen Geräusch er auf Band aufnahm. 1976 ließ er innerhalb von 22 Tagen und Nächten von 19 Männern und Frauen laut alle in den 36 Bänden eines Fachlexikons aufgezeichneten Künstlernamen verlesen. Titel der ungewöhnlichen Aktion: "Allen Malern herzlichen Dank." (APA/dpa)

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