WHO entschuldigt sich für Teilversagen

28. Dezember 2005, 13:29
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"3 bis 5"-Initiative zur Verteilung von Aids-Medikamenten nicht wie geplant verwirklicht - Annan: Aids-Bekämpfung Voraus­setzung zum Erreichen der Millenniums-Ziele

Peking - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich für die ungenügende Versorgung mit Aids-Medikamenten in armen Ländern entschuldigt. Das Ziel, bis Ende 2005 Medikamente gegen die Immunschwäche-Krankheit für drei Millionen Menschen in armen Ländern bereitzustellen, sei nicht erreicht worden, sagte der Direktor der WHO-Abteilung für Aids, Jim Yong Kim.

Insgesamt sind in diesen Ländern rund sechs Millionen Menschen erkrankt. Seine Kollegen und er hätten nicht schnell genug gearbeitet und nicht genügend Leben gerettet. "Alles was wir tun können, ist uns zu entschuldigen", sagte er vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Die genaue Zahl der Aids-Kranken und HIV-Infizierten in Behandlung soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

Immerhin Teilerfolge

Die "3 bis 5"-Initiative der WHO und des Aids-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS) sei trotzdem nicht gescheitert. Mehr Länder hätten sich dem Programm angeschlossen, mehr Kranke hätten Medikamente erhalten und Leben seien gerettet worden, sagte Kim. Die Medikamente unterdrücken das Virus, so dass die Krankheit nicht ausbricht.

Das südliche Afrika ist die von der Aids-Epidemie am stärksten betroffene Region. Dort sind bis Mitte 2005 rund eine halbe Million Menschen mit den virushemmenden Medikamenten versorgt worden - drei Mal so viele wie noch ein Jahr zuvor. Gleichwohl werden damit nur 15 Prozent der Bedürftigen erreicht. Auch in Asien verdreifachte sich die Zahl der Empfänger seit Juni 2004 nahezu. Insgesamt leben nach UNAIDS-Berechnungen mehr als 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus oder Aids. In diesem Jahr sind bisher rund 3,1 Millionen an der Krankheit gestorben.

Annan: Voraussetzung für Millenniums-Ziele

Um die Verbreitung von Aids bis zum Jahre 2015 zu stoppen, muss nach Auffassung von UN-Generalsekretär Kofi Annan noch sehr viel mehr getan werden. "Aids zu stoppen, ist nicht nur ein Millenniums-Entwicklungsziel für sich, sondern eine Voraussetzung für die meisten anderen Ziele", sagte Annan nach einer am Montag veröffentlichten Erklärung der Vereinten Nationen zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember.

"Wir sehen Zeichen des Fortschritts in fast allen Regionen der Welt", sagte Annan weiter. Es gebe den reellen Beweis, dass das Aids-Problem gelöst werden könne. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts habe die Welt große Fortschritte im Kampf gegen die Krankheit gemacht.

Plan und Mittel zur Durchführung

Es gibt Annan zufolge einen klaren Aktionsplan, die Ausbreitung von Aids zu stoppen und die Krankheit einzudämmen. Auf dem Weltgipfel bei den Vereinten Nationen hätten die Staats- und Regierungschefs im September gelobt, die 2001 angenommene Verpflichtungserklärung zu HIV/Aids voll umzusetzen. Das bedeute, die Bemühungen für die Vorbeugung, Behandlung, Pflege und die Unterstützung zu verstärken, um ohne Ausnahme allen Menschen Zugang zu diesen lebensrettenden Programmen zu ermöglichen, betonte der UN-Generalsekretär. Die Fortschritte bei der Umsetzung der Erklärung würden im nächsten Jahr überprüft.

Heute stünden jährlich ungefähr acht Milliarden US-Dollar (6,8 Milliarden Euro) für die Aids-Bekämpfung in den Entwicklungsländern zur Verfügung. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren seien es 300 Millionen US-Dollar gewesen, sagte Annan. Heute werden nach seinen Worten nationale Aids-Kampagnen in 40 Ländern von Staats- und Regierungschefs selbst oder ihren Vertretern geleitet. (APA/Reuters)

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    Jim Yong Kim, Direktor der WHO-Abteilung für Aids

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