ÖIAG startet Suche nach neuem Chef

8. Dezember 2005, 19:02
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Der Personalausschuss des AUA-Aufsichtsrats hat bereits gemeinsam mit einem Headhunter seine Arbeit aufgenommen

Wien - Die ÖIAG hat die Suche nach einem neuen Chef für die Austrian Airlines (AUA) eingeleitet. Der Personalausschuss des AUA-Aufsichtsrats habe bereits gemeinsam mit einem Headhunter seine Arbeit aufgenommen. Noch vor Weihnachten werde die eigentliche Kandidatensuche beginnen, erklärte ÖIAG-Vorstand und AUA-Aufsichtsratschef Rainer Wieltsch am Montag im "Klub der Wirtschaftspublizisten". Die abschließenden Hearings im Aufsichtsrat werden voraussichtlich im März stattfinden.

Der noch amtierende AUA-Chef Vagn Sörensen (45) hatte im Oktober angekündigt, seinen Vertrag aus "ausschließlich privaten Gründen" im September 2006 auslaufen lassen zu wollen. Ein "Airliner" wäre für seine Nachfolge wünschenswert, sagte Wieltsch. "KO-Kriterium" werde dies aber keines sein. "Grundsätzlich möglich" sei auch eine "interne Nachbesetzung". Der Headhunter werde "natürlich auch interne Kandidaten zur Kenntnis nehmen", so Wieltsch.

Bis September hat die AUA heuer Verluste in Millionenhöhe geschrieben. Auch im Gesamtjahr werde das Betriebsergebnis (EBIT) noch "deutlich negativ" ausfallen, betonte der Aufsichtsratschef. Wieltsch ortet aber im dritten Quartal wieder einen Aufholeffekt. Von einer "lahmen Ente" könne bei der AUA keine Rede sein. Ziel sei es, "ergebnismäßig auch ohne Hilfe von Außen wieder eine nachhaltig positive Bilanz" in der AUA zu erreichen, um gerüstet zu sein, wenn es in Zukunft einen Regierungsauftrag zur Privatisierung der bei der ÖIAG verblieben 39,7 Prozent geben sollte - auch wenn sich das derzeit nicht abzeichne, wie Wieltsch betonte.

Wenig Grund zur Freude für AUA-Aktionäre

Die bestehenden AUA-Aktionäre hatten bisher wenig Grund zur Freude. Wer beim ersten Börsegang der AUA Aktien für 1.000 Euro gekauft hat, hat heute nur noch 439 Euro. Die anderen Privatisierungen waren laut ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis dagegen durchwegs erfolgreicher. Bei der VA Tech sind Aktionäre der ersten Stunde, die jetzt an Siemens verkauft haben, mit plus/minus Null ausgestiegen. Telekom Austria-Aktien, die beim Börsegang vor fünf Jahren 1.000 Euro wert waren, sind heute knapp über 2.000 Euro wert. Zum Börsegang 1.000 Euro schwere Flughafen Wien-Aktien kosten heute 3.200 Euro, Böhler-Uddeholm-Aktien 3.400 Euro, voestalpine-Aktien 3.600 Euro und OMV-Aktien stolze 14.000 Euro.

Bei der OMV ist die ÖIAG über einen langfristigen Vertrag mit der arabischen IPIC (International Petroleum Investment Co) verbunden. Ein Verkauf des 31,5 Prozent ÖIAG-Anteils an der OMV ist daher bis 2010 kein Thema. "Ohne Hektik" werde man bis dahin auch über eine Verlängerung des Partnervertrages sprechen, so Wieltsch.

Wie es mit der ÖIAG selbst weiter gehen wird, steht noch nicht fest. Nach den ursprünglichen Regierungsplänen sollte die Staatsholding nach Erfüllung des Privatisierungsauftrags in eine Bundesbeteiligungs- und -management-GmbH umgewandelt werden, in die auch die ÖBB und der Verbund eingebracht werden sollten. Zuletzt hatte die Regierung das Thema aber auf die lange Bank geschoben. Im ÖIAG-Vorstand meint man nur, der Eigentümer müsse entscheiden, wie er das Restvermögen handhaben werde.

Die Verträge der beiden Vorstände laufen am 30. Juni 2006 aus. Wenn der Eigentümer das will, werden beide Vorstände weiter zur Verfügung stehen - Wieltsch (61), auf Grund seines "fortgeschrittenen Alters" womöglich auch nur noch als Konsulent. (APA)

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    Vagn Sörensen lässt seinen Vertrag als AUA-Chef im September 2006 auslaufen.

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