Pilot von Sölden freut sich über "vorzeitiges Weihnachtsgeschenk"

30. November 2005, 14:02
3 Postings

"Aber Nachgeschmack der Toten bleibt" - Hubschrauberfirma will Piloten ab Dezember wieder fliegen lassen

Innsbruck (APA) - Der Unglückspilot von Sölden, der Tiroler Markus J. (35), freut sich über das technische Untersuchungsergebnis der Katastrophe von Sölden, bei dem neun Menschen - darunter sechs Kinder - Anfang September ums Leben gekommen waren. Seine Vermutungen des technischen Gebrechens hätten sich bestätigt. "Für mich ist das ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk, der Nachgeschmack der Toten aber bleibt", sagte der Pilot am Montag zur APA.

Ihm sei "ein riesen Stein vom Herzen gefallen", als er über die Medien vom Ergebnis der Untersuchungen erfahren habe. "Ich habe gewusst, dass es ein technischer Fehler sein muss, weil ich weder gedrückt noch gefunkt habe", beteuerte er.

Da er kein Techniker sei, könne er nicht beurteilen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien. Bei den beiden Maschinen jenes Unternehmen, für das er fliege, seien die betroffenen Teile bereits unmittelbar nach dem Unglück getauscht worden.

Für ihn bleibe trotzdem die Frage, warum ausgerechnet ihm das passieren habe müssen. Würde man genau oberhalb der Seilbahn mit dem Betoncontainer stehen bleiben und versuchen, das Seil zu treffen, hätte man vermutlich gar keine Chance, meinte der Pilot. "Aber auf das Warum gibt es keine Antwort, da kommt man auf keinen grünen Zweig", so der Pilot weiter.

Ab Dezember wieder im Cockpit

Der Chef der Salzburger Helikopterfirma Knaus, Roy Knaus, will den Piloten wieder fliegen lassen. Dies kündigte der Unternehmer am Montag im Gespräch mit der APA an. Markus J. werde ab Dezember mit einer Maschine unterwegs sein, sagte Knaus.

Die bisherigen Vermutungen seien durch das Gutachten bestätigt, meinte Knaus. Bei ihm seien zwei Maschinen des Typs Lama betroffen gewesen. Bei beiden Hubschraubern sei unmittelbar nach dem Unglück der Schalter getauscht worden, in dem durch Abrieb der fehlerhafte Impuls ausgelöst worden war.

Weltweit seien etwa 1.000 Maschinen des französischen Herstellers betroffen, vermutete der Hubschrauberchef. In Österreich verfüge neben einem Mitbewerber auch das Bundesheer in den Alouette-III und Alouette-IV Maschinen über derartige Schalter. Dort habe man mittlerweile bei Untersuchungen ähnliche Effekte festgestellt, berichtete Knaus. (APA)

Share if you care.