Kärntner Promi leugnet indirekt Konzentrationslager Mauthausen

11. Dezember 2005, 19:27
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Leserbrief von Siegfried Lorber in der "Kirchenzeitung": "Nachweislich erst nach dem Zweiten Weltkrieg für touristische Zwecke errichtet"

Klagenfurt - In einem Leserbrief hat ein prominenter Kärntner indirekt die Existenz des Konzentrationslagers Mauthausen geleugnet. In der jüngsten Ausgabe der Kärntner Kirchenzeitung "Der Sonntag" heißt es, Religionslehrer sollten "andere Prioritäten setzen als Mauthausen-Besuche zu organisieren und unserer Schuljugend Einrichtungen zeigen zu lassen, die nachweislich erst nach dem Zweiten Weltkrieg für touristische Zwecke errichtet wurden".

Beim Autor handelt es sich um den ehemaligen Präsidenten der Finanzlandesdirektion Kärnten, Siegfried Lorber, der in seinem - namentlich gezeichneten - Leserbrief zum letzten Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe Stellung genommen hat. Bezogen auf die vom Papst geäußerte Kritik am Religionsunterricht fordert der ehemalige Spitzenbeamte eine "Trendwende" im Religionsunterricht.

"Versehen"

Der Herausgeber der Kirchenzeitung, Peter Allmaier, erklärte die Veröffentlichung des Briefes mit einem "Versehen". Eine Mitarbeiterin hätte offensichtlich die Bedeutung des Inhaltes übersehen, sagte Allmaier gegenüber der APA.

Zugleich distanzierte sich Allmaier deutlich vom Inhalt des Leserbriefes: "Er hätte nicht erscheinen dürfen, die Aussage widerspricht allen Grundsätzen der Kirche." Er sei sich aber der Tatsache bewusst, dass er mit verantwortlich sei, falls der Inhalt des Leserbriefes nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gegen das Verbotsgesetz verstoße: "Die Aussage verstößt meiner Meinung nach gegen das Wiederbetätigungsgesetz."

Staatsanwaltschaft ermittelt

Gegen den ehemaligen Präsidenten der Finanzlandesdirektion Kärnten, Siegfried Lorber, ermittelt seit Montag die Exekutive. Sicherheitsdirektor Albert Slamanig erklärte auf Anfrage der APA, es seien Erhebungen eingeleitet worden. Eine strafrechtliche Bewertung obliege jedoch der Staatsanwaltschaft. Lorber ist übrigens aktives Mitglied im Pfarrgemeinderat einer Klagenfurter Pfarre. Zuständig ist er für die Erwachsenenbildung.

Lorber ist in der Pfarre St. Peter tätig. Pfarrer Georg Lackner zeigte sich gegenüber der APA entsetzt über die Aussagen seines Schäfchens: "Das ist sehr schlimm." Der Geistliche betonte, dass man im Bereich der Erwachsenenbildung "nicht besonders aktiv" gewesen sei. Sämtliche Fragen, das Dritte Reich betreffend, seien im Pfarrgemeinderat auch nie Thema gewesen, sagte Lackner.

Abwehrkämpfer

In der Pfarre hätten "die Abwehrkämpfer immer schon ihre Heimat gefunden", sagte Lackner. Dies sei noch auf seinen Vorgänger zurückzuführen. Er selbst versuche, bei jedem Gedenktag die Versöhnung in den Vordergrund zu stellen. Ob Lorber als Pfarrgemeinderat noch tragbar sei, könne er jetzt noch nicht beantworten. "Ich muss jetzt einmal darüber nachdenken, was hier zu tun ist", meinte der Geistliche. Zudem sei auch noch abzuklären, ob er als Pfarrer hier tätig werden solle oder ob dies Angelegenheit des Bischofs sei.

Lorber hatte in seinem in der Kärntner Kirchenzeitung veröffentlichten Leserbrief auch den Projektunterricht an den Schulen in Frage gestellt. Wörtlich heißt es da: "Zu diesem erhebt sich schon seit längerer Zeit die Frage, ob es primär Aufgabe der Religionslehrer ist, sich für 'Projekte' und 'Workshops' zu engagieren, die das Geschehen einer Zeit thematisieren, die Österreich sage und schreibe eineinhalb Jahre unter friedlichen und fünfeinhalb Jahre unter den Bedingungen eines mörderischen Krieges erlebte." Weiters heißt es in dem Leserbrief: "Um nicht missverstanden zu werden, die Konzentrationslager waren eine Schande. Eine Schande ist es aber auch, was daraus konstruiert wurde."

Fleißiger Leserbriefschreiber

Bei den Kärntner Medien ist der Ex-Finanzlandesdirektionspräsident seit vielen Jahren als äußerst fleißiger Leserbriefschreiber bekannt. Zu seinen Lieblingsthemen gehörten dabei die Frage der zweisprachigen Ortstafeln und die EU-Erweiterung, aber auch die "Ehre" der Wehrmacht.

So gab es am 12, Juni dieses Jahres eine flammende Verteidigungsschrift für den freiheitlichen Bundesrat Siegfried Kampl zu lesen: "Die Kampagne gegen Kampl, der nach meinem Dafürhalten nichts Falsches gesagt hat, wird offensichtlich von Leuten betrieben, die Deserteure mit Widerstandskämpfern verwechseln. Das ist ein fataler Irrtum. Deserteure waren zu allen Zeiten der Superlativ für Unkameradschaftlichkeit. Gegen Kampl nun mit einer Anlassgesetzgebung vorgehen zu wollen, weil er sich erlaubte, zu Deserteuren eine vertretbare Meinung zu äußern, kann letztklassiger nicht sein (...)".

Die Kärntner Kirchenzeitung hatte erst in der vergangenen Woche ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert und einen Relaunch unter dem neuen Namen "Der Sonntag" gestartet. Innerhalb der Diözese Gurk-Klagenfurt zeigte man sich sehr betroffen über den Vorfall, eine Stellungnahme von Bischof Alois Schwarz gab es vorerst aber nicht. (APA)

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