Politischer Wille zur Gleichstellung

16. März 2006, 14:47
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Die Initiative fFORTE fördert weibliche Karrieren in Wissenschaft und Technik durch gezielte Förderung und positive Diskriminierung

"Die positive Diskriminierung muss so lange forciert werden, bis die 50 Prozent-Quote von Frauen erreicht ist." Markige Worte aus dem Munde der österreichischen Bildungsministerin rund drei Jahre nach der Gründung einer Initiative, mit der politischer Wille zur Gleichstellung von Frauen in Berufsfeldern gezeigt wird, in welchen sie nach wie vor stark unterrepräsentiert sind: in Forschung und Technologie.


Ein Marker weiblicher Karrieren in universitärer und industrieller Forschung ist, dass die meisten da enden, wo sie für viele männliche erst richtig beginnen. Wissenschafterinnen und Ingenieurinnen stellen 0,6 Prozent an der Gesamtarbeitskraft der österreichischen Bevölkerung, die männlichen Kollegen 1,5 Prozent. Eine Professorinnenquote von acht Prozent an den Universitäten nimmt sich ebenfalls nicht positiv aus, bedenkt man die weit höhere Quote an Assistentinnen oder gar Studentinnen, die weit über fünfzig Prozent liegt.
Begrifflichkeiten der "gläsernen Decke" und der "leaky pipeline" erfassen die Problematik zum Teil; Argumentationslinien, die auf eine Begründetheit der Geschlechtersegregation in Interessen oder Begabung zielen, greifen zu kurz. Geschlecht als soziale Kategorie ist Transformationen unterlegen und wird als wissenschaftliche Analysekategorie in das Ministerien übergreifende Frauenförderprojekt fFORTE mit einbezogen.

Ministerielle Frauenförderung

Die 2002 vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung als gemeinsames Projekt der Bundesministerien für Bildung, Wissenschaft und Kultur (bm:bwk), für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) gegründete Initiative soll mittels drei maßgeblichen Programmen das schmähliche Geschlechterverhältnis, das Österreich im internationalen Vergleich aufweist, ausgleichen helfen.

Das bm:bwk-betreute "fFORTE academic" konzentriert sich auf Maßnahmen zur Förderung von Mädchen und Frauen in der schulischen Bildung, an den Universitäten und in der nationalen und internationalen wissenschaftlichen Forschung und fördert im Zuge dessen auch interdisziplinäre Projekte wie "Gender it!". Das BMWA-Programm "w-fFORTE" soll den Zugang der im wissenschaftlichen Bereich tätigen, hoch qualifizierten Frauen zur Wirtschaft bessern, wogegen die BMVIT-Scheine "FEMtech-fFORTE" Frauen und Mädchen in der Technik unter die Arme greift und ihnen zu besseren Karrierechancen verhelfen will.

Tätigkeitsbereiche

Die innerhalb dieser Programme laufenden Maßnahmenpakte sind umfassend: Neben auf bereits im Berufsleben stehende Frauen abzielende Initiativen wie der Integration von Forscherinnen in Netzwerke via einer "Expertinnendatenbank", dem Sichtbarmachen von Wissenschaftlerinnen mittles der Vergabe des Preises "Forscherin des Monats", Höherqualifizierungmaßnahmen über "WIT" (Wissenschafterinnenkolleg Internettechnologien) oder den Prämien für Professorinnenschaften über "Excellentia", setzt fFORTE auch auf die Vermittlung von Kenntnissen in der Entwicklung und Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien für junge Frauen.
"MUT!" (Mädchen und Technik) oder "FIT" (Frauen in die Technik) sollen das Berufswahlspektrum von Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren erweitern und so Rollenstereotype aufbrechen. Nach wie vor entscheiden sich nämlich siebzig Prozent der vor der Wahl stehenden weiblichen Jugendlichen für zehn "klassische" Lehrberufe - aus einer Palette von über 250. "Admina.at" wendet sich an Studentinnen in technischen Zweigen, welchen Kenntnisse von Entwicklung und Anwendung punkto Internet- und Kommunikationstechnolgien nahe gebracht wird.

Gezielte Förderung impliziert im Rahmen von fFORTE zugleich auch Sensibilisierung der Verantwortlichen im jeweiligen Arbeitsumfeld für Gender-Aspekte. Gelingt es, Frauen zu etablieren, können diese als Multiplikatorinnen wirken und Nachfolgenden den Weg ebnen. Der Wiedereinstieg nach Auszeiten wie der Karenz, die nach wie vor vorrangig von dem weiblichen Elternteil in Anspruch genommen wird, soll durch Wissenstands-Upgrades und Trainings in eigenen "Labs" erleichtert werden.
Zuletzt auf sich aufmerksam macht fFORTE mit einer Petition für veränderte Rahmenbedingungen innerhalb des Wissenschaftsbetriebes, die für flexible Arbeitszeit- und Gleitzeitmodelle und Home-Office-Möglichkeiten eintritt.

Blick in die Zukunft

Von der Umsetzung solcher Forderungen ist man noch weit entfernt. Frauenförderung ist Zukunftsförderung, hallt es zwar innerhalb des Bildungsministeriums wider. Eine Parole, die angesichts der Absolventinnenzahlen an Fachhochschulen und Universitäten nur vernünftig erscheint, kann es doch auch nicht im Sinne des Wirtschafts- und Forschungsstandortes Österreich sein, das Potenzial der weiblichen Neo-Wissenschaftler durch frauen- und familienunfreundliche Strukturen weiterhin aufzuweichen. Doch noch blockiert Gegenwärtiges. fFORTE ist ein begrüßenswertes Brecheisen. (red)

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  • Das Berufsspektrum junger Frauen erweitern, Karrieren hoch qualifizierter Wissenschaftlerinnen voran bringen, Multiplikatorinnen etablieren: fFORTE setzt Maßstäbe punkto Frauenförderung in der österreichischen Forschungs- und Technologielandschaft.
    bild: illustration/fforte

    Das Berufsspektrum junger Frauen erweitern, Karrieren hoch qualifizierter Wissenschaftlerinnen voran bringen, Multiplikatorinnen etablieren: fFORTE setzt Maßstäbe punkto Frauenförderung in der österreichischen Forschungs- und Technologielandschaft.

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