"Kosovo-Unabhängigkeit bringt Stabilität"

28. November 2005, 09:41
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Albaniens Premier Berisha: Traum von Vereinigung der Albaner hat sich zum Traum von Unabhängigkeit gewandelt

Wien - Die Unabhängigkeit des Kosovo werde für die Stabilität in ganz Südosteuropa sehr nützlich sein, "weil die ungeklärte Lage für albanische Bevölkerungsteile nicht hilfreich für die Stabilität all dieser Staaten ist". Dies erklärte der albanische Premier Sali Berisha in einem Interview für die Wochenzeitschrift "profil".

Die Kosovo-Frage sei immer im Zentrum des Balkan-Konflikts gestanden. Die EU habe nun bei den Verhandlungen über den künftigen Status der Provinz ein "hilfreiches Schema" für eine Lösung ausgearbeitet: "Anerkennung der internationalen Grenzen, keine Union mit Serbien, aber auch keine mit Albanien".

Kampf um "nationale Einheit"

Dies sei ein "realistischer Plan", sagte Berisha. Die Idee, einen albanischen Staat in einem mehrheitlich von Albanern bewohnten Gebiet zu errichten, sei nicht nur nationales Anliegen der Albaner gewesen, sondern sei auch von Großmächten - darunter Österreich-Ungarn - unterstützt worden. "Von 1878 bis 1990 kämpften die Albaner um nationale Einheit", erinnerte Berisha an die Gründung der "Liga von Prizren", die beim Berliner Kongress 1878 erstmals öffentlich die Vereinigung aller von Albanern bewohnten Gebiete forderte.

Zuletzt sei aber im Kosovo eine "neue und unterschiedliche albanische Realität als Folge des Kriegs mit Serbien" entstanden. "Ihre Symbolfigur heißt Ibrahim Rugova. Als er die Unabhängigkeit für den Kosovo verlangte, wusste er die Wünsche seines Volkes hinter sich. Der Traum von Vereinigung hat sich dort zum Traum von Unabhängigkeit gewandelt", sagte Berisha.

Forderung nach Verbleib

Oliver Ivanovic, Vorsitzender des Bündnisses "Serbischen Liste für das Kosovo und Metohija", erklärte in einem Interview mit dem "profil", dass im Kosovo auch künftig internationale Präsenz notwendig sein werde - unabhängig von der Lösung der Status-Frage. Jedenfalls müsse es einen Kompromiss zwischen den "zwei diametral entgegen gesetzten Wünschen geben, zwischen der Unabhängigkeit und unserer Forderung nach einem Verbleib des Kosovo in Serbien", sagte Ivanovic.

Die von manchen Experten im Westen vorgeschlagene "bedingte Unabhängigkeit" der südserbischen Provinz lehnt Ivanovic ab: "Sie ist keine Lösung. Sie bringt uns nicht weiter. Wir mögen das Wort ´Unabhängigkeit´ nicht und möchten gar nicht daran denken".

"Brückenwächter"

Der Maschinenbauingenieur und Karate-Trainer, der sich nach dem Abzug der serbischen Sicherheitskräfte im Juni 1999 als Organisator der "Brückenwächter" in der geteilten Stadt Kosovska Mitrovica einen Namen machte, formulierte die Ängste der Kosovo-Serben: "Ich bin hier geboren, ich kenne die Albaner und die albanische Mentalität sehr gut. Unser Leben hier war nicht einmal unter unserer eigenen Verwaltung rosig. Und was nach 1999 passierte, unter den Augen von fast 50.000 NATO-Soldaten, spricht für sich. Man kann sich leicht ausmalen, was geschieht, wenn wir den Albanern ausgeliefert werden, ohne Schutz und Garantien". (APA)

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